Posted On 28/10/2019 By In Highlights, News/ Berichte With 1198 Views

Stunde der Formel Vau: Anspruchsvoller Saison-Abschluss in Hockenheim

Zum krönenden Abschluss der Saison 2019 trafen sich 63 Fahrer aus ganz Europa zur Stunde der Formel Vau, dem European Vee Festival, in Hockenheim. Dort wurde auf der Strecke mit den anspruchsvollen Bedingungen gekämpft, im Fahrerlager kühne Boxenstrategien ausgetüftelt und nach dem Lauf eine wilde Sause gefeiert. 

Erstmals unter der Regie von Projektleiter Tom Eder begrüßte die „Stunde der Formel Vau“ in diesem Jahr wieder eine große Anzahl von Aktiven aus ganz Europa  – 63 Fahrer aus  6 Nationen – und machte damit dem Namen „European Formula Vee Festival“ alle Ehre.

Das von Robert Waschak perfekt organisierte Fahrerlager war bestens gefüllt: Zu sehen waren Fahrzeuge aus allen Epochen der Formel Vau: vom frühen Einvergaser-Beach MK5b, den unser französisches Mitglied Dominique Nussbaumer liebevoll restaurierte, über zahlreiche späte Einvergaser wie den wunderschönen McNamara von Thomas Karr, ein tolles Zweivergaserfeld, schnelle Super Vaus, bis hin zu der Klasse der Modernen Formel Vau, in dem zum Beispiel Ehrenpräsident Frank Orthey im Ex-Kornmeyer-Kogo PV1 aus dem Jahre 2009 seine Runden drehte.

Und wieder einmal war der Wettergott zu Scherzen aufgelegt. Schon beim freien Training deutete zunächst alles auf trockene Bedingungen hin. So stand das halbe Feld auf Slicks im Vorstart. Doch pünktlich 5 Minuten vor Beginn des Trainings zog ein heftiger Schauer über den Hockenheimring. Die Folge: Hektisches Treiben im Fahrerlager. Es wurden in Windeseile Regenreifen montiert. Einige Unverzagte blieben auf den Slicks, was sich als Vabanque-Spiel erwies. Denn die Strecke verwandelte sich zunehmend in eine Wasserrutschbahn. Nahezu jeder drehte sich auf der nassen Strecke. Ganz besonders arg erwischte es Ekkehard Strobel. Er hatte in Most schon nach einem Missverständnis seinen wunderschönen Royal-Super-Vau beschädigt. Der frischreparierte Renner hatte hier in Hockenheim seinen ersten Einsatz. Und es geschah, wie es geschehen musste: Auf der nassen Strecke geriet Ekkehard ins Aquaplaning, er verließ unversehens die Strecke und schlug vorne und hinten ein. Das verheerende Ergebnis: Chassis kaltverformt, die wunderschöne neue Karosserie zerstört, auch die hintere Radaufhängung beschädigt. Das Wichtigste aber: der Fahrer blieb völlig unverletzt.

Freuen konnten sich die zahlreichen Einvergaser im Feld, denn die Dunlop-Einheitsreifen sind auch im Regen gut zu handeln. Am besten kam aber das Team Christoph Wohn und Frank Orthey, die sich den modernen Kogo PV1 teilten, mit den Bedingungen zurecht. Mit 2:40:771 führten sie die Zeitenliste an. Gefolgt vom ersten späten Einvergaser von Tim Renn (2:43:779) und dem ersten Super Vau vom Team Mager/Bauer (2:44:327).

Beim Qualifiying am Freitag nachmittag dann wieder nahezu das gleiche Spiel. Wo zuvor noch die Sonne vom Himmel scheinte, zogen just vor dem Start zum Quali dunkle Wolken auf. Die Wetter-Apps deuteten zuvor in nahezu alle Richtungen, von schönstem Sonnenschein bis starken Regen. Also begann wieder das bekannte Poker-Spiel. Vor dem Start fielen die ersten zaghaften Regentropfen. Für Slickreifen gerade noch in Ordnung, für Regenreifen war es noch zu trocken. Auf der Strecke ging es dann sehr „unterhaltsam“ zu. Nahezu an jeder Kurve fand sich ein Vau, der die Fahrtrichtung abrupt geändert hatte. Glücklicherweise blieben aber diesmal alle Ausflüge ohne nennenswerte Folgen. Slicks waren wohl die bessere, aber auch gefährlichere Wahl, am Ende zeigte sich ein bereinigtes Bild in der Startaufstellung fürs Rennen, denn nun waren die schnellen Super-Vaus und die modernen Formel Vaus in den vorderen Reihen zu finden. Schnellste wurden die Fahrerkombination Mager-Bauer (Klasse 5, 2:15:175), vor Joe Welzel im modernen DRM-Formel Vau (2:15:304) und Thomas Cramer im Duscholux-ASS-Lola (Klasse 5, 2:15:846). Bemerkenswert: Orthey-Wohn stellten den „Leihwagen“ Kogo PV1 auf Startplatz 5 (2:19:620) Schnellstes Auto der Klasse 4 war Robin Kluth im gerade frisch fertig gestellten, wunderschönen Lola T 252 (2:21:574). Nicht schlecht für die erste Ausfahrt. Schnellster Zweivergaser der Klasse 3 wurden Vater-Sohn Nils und Mark Spanbroek (2:27:812). Das starke Feld der Klasse 2 führte der gewohnt schnelle Tim Renn mit Startplatz 14 (2:26:863) an. Und in Klasse 1 zeigte auch Christian Heuschele mit 2:59:250 im Racecraft eine starke Leistung.

Am Ende des anspruchsvollen Qualifyings gab es eigentlich nur hoch erfreute Gesichter. Besonders gefreut haben uns die vielen Neu- und Erststarter im Feld: Endlich hatte Fred Hoenle wieder die Zeit gefunden, mal wieder seinen Kaimann Super Vau zu bewegen, das selbe Auto mit dem er in den 70ern die Vau-Szene in „Angst und Schrecken versetzte“. Auch HFVE-Vorsitzender Benjamin Havermans hatte nach der „Baby-Pause“ seinen ersten Renn-Einsatz, Günther Filthaut führte seine Neuerwerbung, einen wunderschönen Fuchs Super Vau, vor. Gleich vier Fahrzeuge aus dem französischen Vau-Club verstärkten das Feld, der Österreicher Franz Kapeller, der seit einiger Zeit erfolgreich Seitenwagen fährt, war im Team mit Max Kohler, von dem später noch die Rede sein wird, mal wieder im Formel-Wagen unterwegs. Dies sind aber nur Beispiele für das bunt gemischte Fahrer-Feld.

Am Samstag dann der Höhepunkt des Wochenendes. Die „Stunde der Formel Vau“, ein anspruchsvolles 1-Stunden-Gleichmäßigkeitsformat mit Pflichtboxenstopp, der diesmal nicht nur zum Nachtanken, sondern auch für Reifenwechsel genutzt wurde. Aber dazu später mehr…

Die Geschichte des Wochenendes gehört Max Kohler. Der sympathische Schweizer hatte schon zum Start der HFVE-Saison erklärt, dass diese seine letzte sein sollte. Und so sollte die Stunde der Formel Vau sein allerletztes Rennen im geliebten und wie immer bestens eingestellten Ralt RT5 sein. Ein lange Karriere, zunächst als Mechaniker und später als erfolgreicher Fahrer, sollte bei der Historischen Formel Vau zu Ende gehen. Freunde und Familie kamen, um mit Max diesen Moment gebührend zu feiern. Formel-Vau-Kollege Franz Kapeller teilte sich mit Max das Cockpit, die ganze Crew wartete in der Boxengasse auf Max‘ letzten Fahrerwechsel. Und bei der abendlichen Abschlusssause waren alle dabei, als Max das Mikrophon ergriff und allen Wegbegeleitern dankte, allen voran seiner Ehefrau Sybille, die ihn stets unterstützte.

Zum Renngeschehen: Viele Fahrer waren nach Erfahrungen aus freiem Training  und Quali vorsichtig und wechselten nach Studium von Wetter-Apps und Regenradar auf Regenreifen. Beim schon obligatorischen Gridwalk der Stunde der Formel Vau blieb es aber erst einmal trocken. In den ersten Startreihen blieben nur Joe Welzel und Thomas Cramer auf Slicks, dahinter wurde meist auf die sicheren Regenreifen gewechselt, bzw. waren die Dunlop Einheitsreifen für alle Bedingungen montiert. Es ging im nahezu Trockenen los und blieb auch bis zum Pflichtboxenstopp in der Rennmitte trocken. Das hieß für die für einige Boxencrews Mehrarbeit… Denn dort wurde nicht nur getankt, sondern auch noch „eben mal“ auf Slicks gewechselt. Besonders eindrucksvoll gelang dies einmal mehr der schweizer Truppe um Max Kohler. In Profi-Manier wurden in Windeseile vier Reifen gewechselt. Max fuhr dann mit dem „richtigen Schuhwerk“ auch gleich die schnellste Runde des Vau-Wochenendes. Ein krönender Abschluss seiner Vau-Karriere… Und auch an den anderen Boxen ging es lebhaft zu. Viele Fahrer hatten ihre Familien „eingespannt“. Manch einer überließ sogar dem Nachwuchs das Cockpit: Mark Spanbroek teilte sich den Kaimann-Zweivergaser mit seinem Sohn Nils, Stephan Gremler überließ das RPB-Cockpit seinem Sohn Jannis. So war dieser Lauf einmal mehr wieder ein tolles Erlebnis für die gesamte Familie.

Im Gesamtklassement zeigte Andreas Mundt mit seinem Klasse 6-Scarab, dass er das anspruchsvolle Gleichmäßigkeitsformat inzwischen perfekt verinnerlicht. Mit nur 595 Strafpunkten führte er das Klassement vor Dominique Nussbaumer aus Frankreich (Beach, 628 Strafpunkte) und Thomas Renn (Dahm Car, 745 Punkte) an. Die Klassenwertungen gewannen folgende Piloten: Klasse 1, Dominique Nussbaumer (Beach); Klasse 2: Benjamin Havermans (Monaco); Klasse 3: Thomas Renn (Dahm Car); Klasse 4: Günther Filthaut (Fuchs); Klasse 5: Götz Heimburger (Veemax), Klasse 6: Andreas Mundt (Scarab), Klasse 7: Sascha Hofbeck (GAC).

Novum bei der diesjährigen Stunde der Formel Vau: Die Vau Wech-Challenge, die „nicht ganz offizielle“ Weltmeisterschaft im Vau-Ziehen. Es galt dabei einen Formel Vau über eine Distanz von 30 Metern mit zwei zugkräftigen Kameraden mithilfe eines handelsüblichen Seils in kürzester Zeit zu ziehen. Zehn Teams aus ganz Europa hatten gemeldet. Unter dem pointierten Live-Kommentar von Lothar Panten entwickelte sich ein unterhaltsames Nachmittagsprogramm. Am Ende zeigte sich der sportliche Ehrgeiz von „Schraubergott“ und Super-Vau-Beschleuniger Oswin Büchl als einfach unschlagbar. Er und sein Teamkamerad dürfen sich bis zum nächsten Jahr (nicht-ganz-offizielle) Vau-Zieh-Weltmeister nennen.

Am Abend hatte man sich im prall gefüllten Clubzelt viel zu erzählen. Neben dem emotionalen Abschied unseres lieben Max Kohler, der feierlichen Siegerehrung, der Dankesrede von Projektleiter Tom Eder – der nebenbei bemerkt mit seiner perfekten Organisation einen perfekten Start hingelegt hat – war es wieder einmal die Live-Musik der „Wotcha Blokes“, die alle begeisterte. Bis in den frühen Morgen wurde getanzt und gelacht. Ein gelungener Abschluss der diesjährigen Vau-Saison…

 

Text: Thomas Cramer
Fotos: Dirk Hartung, Charlotte Gentil

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