Posted On 20/07/2023 By In Highlights, News/ Berichte With 860 Views

Zukunftsweisende Stunde der Formel Vau in Spa

Gleich in mehrerer Hinsicht war die diesjährige Ausgabe der „Stunde der Formel Vau“ in Spa Francorchamps zukunftsweisend. Zum einen ist es der HFVE gelungen, diese Sonderveranstaltung als europäisches Formel Vau Festival zu etablieren. Starter aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien und sogar aus Schweden boten ein buntes Starterfeld mit insgesamt 56 Fahrzeugen. Zum anderen konnte ein lang geplantes Projekt endlich in die Tat umgesetzt werden: Denn rund die Hälfte der Fahrzeuge nutzte dank der Mithilfe des Serien-Sponsors Ravenol einen synthetischen Kraftstoff. Damit setzte die HFVE ein deutliches Zeichen im historischen Motorsport.

Den Kraftstoff stellte Nordoel bereit. Die Herstellung des e-Fuel erfolgt mit entsalztem Meerwasser, welches mittels Elektrolyse durch erneuerbare Energien wie Photovoltaik-, Wind- und Wasserenergie gespalten wird. Der daraus resultierende Wasserstoff wird mit aus der Umweltluft gefilterten Kohlenstoffdioxid durch das Fischer-Tropsch-Verfahren bzw. durch die CO₂ Hydrierung zu Methan angereichert.

Das Ergebnis ist nicht nur klimaneutral, sondern auch völlig unproblematisch im Einsatz. Denn eFuel besitzt exakt die gleichen Eigenschaften wie herkömmliche Kraftstoffe, die man heute an der Tankstelle bekommen kann. Um genau zu sein, erfüllt es die Norm EN ISO 228, die auch das Tankstellen-Benzin erreichen muss.

Die HFVE hatte schon im vergangenen Jahr in Zolder ein Pilotprojekt mit drei Fahrzeugen gestartet. Mit durchweg positiven Ergebnissen, so wurde bei der Stunde der Formel Vau in Spa Francorchamps der Test auf über 25 Fahrzeuge ausgeweitet.

Für den historischen Motorsport bietet diese Lösung eine einmalige Möglichkeit, das historische Kulturgut auch in Zukunft weiterhin zu betreiben.

Zum Sportlichen: Am Freitag morgen ging es für die 56 Aktiven zum ersten Mal auf die „Ardennen-Achterbahn“, eine der berühmtesten Rennstrecken der Welt. Die schnellste Rundenzeit setzte dabei Dirk Kornmeyer im March-Super-Vau (2:49.635) vor Heiko Engelke (Lola, 2:52.132) und Nils Spanbroek (2:58.636), der aus seinen Kaimann-Zweivergaser das letzte herausquetschte. Insbesondere die Gäste aus Schweden waren mehr als begeistert vom schnellen Kurs – und von der Kameradschaft auf und neben der Strecke. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke forderte aber auch erste Opfer: Zum Qualifiying konnten Ruben van Hoorn (Motul, Getriebeprobleme), das Team Büchl (Motorproblem), Rangel/van Dongen (Beach/ Ölverlust), Ulli Degel (Olympic, Motorproblem), Frank Böning (Mega, Zylinderkopfdefekt) und Klaus Dober (DRM, Motorproblem) nicht antreten.
Schnellster im Qualifying war wieder Dirk Kornmeyer, dessen von Vater Winfried hervorragend eingestellter March Super Vau (2:49.917) das Maß der Dinge war. Es folgten mit Markus von Haken (2:51.794 ) und Heiko Engelke (2:53.116) zwei Lola-Piloten. Schnellster Klasse-7-Pilot war Joe Welzel im DRM (2:55.111), die Klasse 4 führte Robin Kluth im Lola (3:02.018) an. Knapp gefolgt vom schnellsten Klasse 3-Fahrzeug, Nils Spanbroek (Kaimann, 3:02.294). In der hochkarätig besetzen Klasse 2 setzte Benjamin Havermans (Monaco, 3:14.632) die Bestzeit, Lars Ohlsson zeigte im Klasse 1-Austro Vau mit 3:17.620, dass auch die Schweden schnell Vau fahren können.

Dass das Wetter in der Wallonie unberechenbar ist, musste 2021 ja schon die Formel 1 feststellen. Und auch die Fahrer der Stunde der Formel Vau blickten eine Stunde vor Beginn des Laufs sorgenvoll in den Himmel. Denn der öffnete am Samstag morgen seine Schleusen und sorgte für einen stark befeuchteten Untergrund. Kurz vor Rennbeginn erhellte sich der Himmel, aber immer noch regnete es stellenweise. So ging es dann mit gemischten Gefühlen zur “besten Sendezeit” um 12:05 Uhr auf die einstündige Gleichmäßigkeitsprüfung. Inklusive Pflichtboxenstop, bei dem nachgetankt werden kann und auch Fahrerwechsel möglich sind.
Einige der Fahrer hatten auf Slicks gesetzt, was zumindest in der Startphase nicht die allerbeste Wahl war. Einige Stellen des Asphalts trockneten zwar schon ab, an anderen Passagen der rund 7km langen Strecke regnete es aber immer wieder. Zum Glück ließen es die erfahrenen Piloten ruhig angehen und das Feld kam gut über die ersten Runden.
Klar im Vorteil waren diejenigen, die auf Intermediates gesetzt hatten. Trotzdem machte es allen einen Riesenspaß. Die Eau Rouge im (fast) vollen Beritt hinauf zu brausen ist ein unbeschreibliches Gefühl.
Die Boxenstops, die vom Team genauestens getimed werden mussten, sorgten für ein weiteres Spannungsmoment. Bei den allermeisten klappte es reibungslos, die Autos wurden pünktlich in die Box beordert, mit frischem Sprit versorgt, bei einigen Teams die Fahrer gewechselt – und schließlich die Fahrzeuge zum richtigen Zeitpunkt auf die Strecke zurück beordert.

Zur großen Freude der Organisatoren zeigte auch die Siegerehrung ein dem europäischen Gedanken der Veranstaltung ebenbürtiges Bild. Sieger der Gruppe A wurde Johanna Adenacker (D, RPB) vor Heike Volk (D, Hick) und Calvin Stauff (D, Autodynamics). In Gruppe B siegte der Belgier Alexandre Laurent (Agnessen) vor Nick Wittkuhn (D, Kaimann) und Fredi Huwiler (Steck) aus der Schweiz. Und in der Gruppe C konnte sich Tom Eder (D, Tatuus) den obersten Platz auf dem Treppchen sichern, vor Norbert Gschneidinger (D, DRM) und Christoph Wohn (D, Kogo).

Das Gesamtklassement gewann Johanna Adenacker (D, RPB) vor Tom Eder (D, Tatuus) und Alexandre Laurent (B, Agnessen).

Alles in allem ein äußerst gelungenes Wochenende für die Historische Formel Vau Europa. Der europäische Gedanke lebt und mit dem erfolgreichen Einsatz des klimaneutralen eFuels ist ein neues Kapitel aufgeschlagen, dass die Zukunft der Serie nachhaltig sichern kann.

Text: Thomas Cramer
Fotos: Martina Eder