Posted On 06/08/2020 By In Highlights, News/ Berichte With 1138 Views

Dünenhatz und Sommergefühle

Gleich zwei Weltpremieren erlebte die Historische Formel Vau Europa auf dem Circuit Zandvoort in den Niederlanden: Die HFVE startete als erste internationale Serie zu offiziellen Läufen auf dem neuen Formel-1-Kurs. Und – corona-bedingt – dazu gleich mit vier Wertungsläufen, auch das gab es noch nie in der Geschichte des Clubs.

Die Corona-Regeln sind in den Niederlanden dank geringer Fallzahlen deutlich weniger streng als in Deutschland. Sogar Zuschauer waren an der Strecke zugelassen.

So hatten viele der Fahrer neben den nötigen Teammitgliedern auch ihre Familien dabei. Wo sonst, als in Zandvoort findet man so tolle Bedingungen für „Mensch und Maschine“. Der Strand ist von der Strecke fußläufig erreichbar und sogar der Wettergott meinte es mehr als gut mit den Vaulern. Also beste Voraussetzungen für ein entspanntes Rennwochenende mit der Familie.

Die Geschichte des freien Trainings am Freitag morgen ist (leider) schnell erzählt: Manfred Kluth hatte nach den Problemen mit dem Öldruck seines wunderschönen Lola T240 am Hockenheimring eine neue, deutlich stärkere Ölpumpe verbaut. Im Test lief das Auto damit ganz hervorragend. Aber Test ist Test und auf der Strecke ist eine ganz andere Situation. Als Manfred, nachdem das Öl auf Temperatur gebracht ist, das erste Mal Gas gibt, löst sich ein Ölschlauch (wohl durch den stärkeren Druck der Pumpe) aus seinem Fitting. Resultat: eine völlig eingeölte Strecke, ein sichtlich geknickter Manfred Kluth – und ein Starterfeld, das bereits nach einer Runde freiem Training zurück ins Fahrerlager zurückkehrt.

Zum Qualifiying am Freitag Nachmittag stehen dann wieder alle erwartungsvoll in der Startaufstellung. Am besten kommt mit den heißen Temperaturen Rüdiger Müller im Klasse-5-March zurecht: 1:52:16 sind eine Top-Zeit, hinter ihm platzieren sich Heiko Engelke (Kl.5, Lola T620, 1:55:640) und Joe Welzel (Kl.7, DRM, 1:57:087).

Schnellstes Klasse-4-Auto wird Marco Wittkuhn (2:06:875), in Klasse 3 stellt Mark Spanbroek aus den Niederlanden mit 2:01:187 seine hervorragende Streckenkenntnis unter Beweis. Klasse 2 führt Tim Renn mit 2:07:706 an und in Klasse 1 setzt Manfred Nord mit 2:33.945 seine beste Zeit. Nicht platzieren konnten sich wegen technischer Probleme Markus von Haken, Wolfgang Rafflenbeul und Tom Ernst.

Am Samstag startete dann mittags der erste der insgesamt vier Wertungsläufe. Die Historische Formel Vau Europa hatte es sozusagen der Formel 1 nachgemacht und corona-bedingt quasi zwei Veranstaltungen an einem Ort ausgetragen.  Aber wieder zum 1. Lauf: Der von hinten startende Markus von Haken hat sich eine List ausgedacht, um möglichst schnell in die Spitzengruppe seiner Klasse-5-Kontrahenten zu gelangen. Er lässt sich nach dem fliegenden Start weit zurückfallen und wird so schon nach einer Runde von der Führungsgruppe eingeholt. Es beginnt eine wilde Hatz mit schönen Positionskämpfen der Klasse 5, die Führung wechselt ständig. Mal sind es die March von Dirk Kornmeyer und Rüdiger Müller, mal ist der Lola T620 von Heiko Engelke, die vorn liegen. Am Ende kommt Dirk Kornmeyer als Erster ins Ziel. Was aber bei der HFVE ja nichts bedeutet, denn hier wird die Gleichmäßigkeit gewertet und da sind Positionskämpfe nicht unbedingt ein Vorteil.

Am Besten meistert im ersten Lauf Dieter Hofbeck diese Aufgabe. Er hatte sich im Team Welzel einen modernen DRM ausgeliehen. Nur 63 Strafpunkte bedeuten den Gesamtsieg und natürlich auch den Klassensieg in Klasse 7 bei seiner Jungfernfahrt. Nun wieder der Reihe nach: Klasse 1 sichert sich Manfred Nord,  Klasse 2 gewinnt Trian Tsolakidis, der Sieg in Klasse 3 geht an Lokalmatador Mark Spanbroek (mit einer bemerkenswerten schnellsten Runde von 1:59:562). Klasse 4 gewinnt Marco Wittkuhn und in Klasse 5 hat Markus von Haken die richtige Taktik gewählt. In der Führungsgruppe Spaß gehabt, mit 1:49:725 die schnellste Runde hingelegt und dazu noch die Gleichmäßigkeitswertung gewonnen. Klasse 6 geht an Andreas Mundt.

Und es ging am Samstag gleich spannend weiter. Der Autor dieser Zeilen ging nach erneutem Defekt im Kühlsystem seines Klasse-5 ASS-Lola auf Nummer sicher: Das T-Car, ein ATS-Lola aus dem Jahre 1973 basiert auf dem luftgekühlten Typ-4-Motor aus Porsche 914 und VW Typ 3. Wasseraustritte waren also nicht zu erwarten… Auch Winfried Kornmeyer setzte auf Bewährtes und tauschte seinen Klasse 5-March gegen einen modernen Kogo PV1, den er Anfang 2000 selbst entwickelte, um in der damals noch aktiven Zeit der Formel Vau mit seinen Söhnen um die Meisterschaft zu fahren. Auch hier das gewohnte Bild: Die leistungsstarken wassergekühlten Klasse 5-Autos duellieren sich im vorderen Teil des Feldes, ergänzt um Klasse 7-Fahrer Joe Welzel, der Leistungsunterschiede durch persönlichen Einsatz wettmacht. Dahinter sehenswerte Positionskämpfe insbesondere in den Klassen 2 und 3. Die Bestzeiten purzeln, so kann Markus von Haken in Runde 9 erneut die schnellste Runde des Wertungslaufs drehen: bei schnellen 1:48:125 stoppt die Uhr.

Das ist natürlich nur eine Seite der Medaille, am Ende zählen die gleichmäßigsten Runden. Hier die Sieger der Klassenwertungen: Klasse 1: Manfred Nord, Klasse 2: Tim Renn, Klasse 3: Henrik Schiller, Klasse 4: Marco Wittkuhn, Klasse 5: Heiko Engelke, Klasse 6: Andreas Mundt, Klasse 7: Joe Welzel.

Einen Teil des Spaßes macht natürlich auch das Arbeiten an den historischen Rennern aus. Und das ist bei der HFVE nicht nur Team-Sache sondern Clubsache. Klasse 5-Spezialist Oswin Büchl schraubt gleich an mehreren Super Vaus, hilft nebenbei beim luftgekühlten Klasse4-Auto von Thomas Cramer bei der Fehleranalyse, der wiederum erhält Rat von Klasse-7-Teamchef Joe Welzel zu Vergaserproblemen. Ersatzteile wandern durchs Fahrerlager von einem Team zum anderen, bis die Autos wieder laufen. Und am Ende des Tages genießt man gemeinsam das wohlverdiente Feierabendbier. Der Geist der Formel Vau lebt …

Am Sonntagmorgen überrascht Andreas Mundt seinen österreichischen Fahrerkollegen Robert Waschak mit einer tollen Geste. Robert war unter schwierigen Bedingungen von Salzburg nach Zandvoort gereist: Unter anderem hatte sein Anhänger gleich zwei Reifenschäden. So dauerte die Anreise mehr als 12 Stunden. Und in Lauf 2 hatte dann noch der Motor von Roberts Austro-Vau aufgegeben. Für Andreas war klar: Hier muss geholfen werden. Kurzerhand wurde der Klasse-6-Scarab für Robert eingestellt und dieser fand sich unversehens im Startfeld wieder.

Bei etwas kühleren Bedingungen ging es am Sonntag mittag dann wieder auf die Strecke.  Vom Start weg ging es, nicht nur in der Führungsgruppe, sehenswert engagiert zur Sache. Vorne zeigte mal wieder Markus von Haken, dass er seinen Lola T620 immer besser versteht. Seine schnellste Runde: 1:47:815. Dirk Kornmeyer wiederum übernahm das väterliche T-Car, den Kogo PV1, und zeigte gleich einmal, dass er auch im Klasse 7-Auto nichts verlernt hat. 1:52:196 war am Ende seine Bestzeit. Und auch die anderen Fahrer steigerten sich kontinuierlich. Übung macht doch den Meister… Zur Wertung: Klasse 1: Manfred Nord, Klasse 2: Bastian Müller, Klasse 3: Nick Wittkuhn, Klasse 4: Markus Theuer, Klasse 5, Rüdiger Müller, Klasse 7: Joe Welzel.

Zum letzten Mal an diesem ereignisreichen Wochenende sollte es dann am Sonntag nachmittag auf die Strecke gehen. Schöne Überraschung, die einem wohl nur in den Niederlanden passieren kann: Eine offensichtlich spontan angereiste Samba-Truppe nebst Tänzerinnen „sabotierte“ das Prozedre in der Startaufstellung. Alt-Vauler Manfred Nord sprang spontan aus dem Auto und tanzte zur Freude der Anwesenden mit. Auf der Strecke das gewohnte Bild: Hochkonzentriert und schnell bewegten die Fahrer ihre historischen Fahrzeuge. Am gleichmäßigsten gelang dies Marco Wittkuhn (Royale, Klasse 4), er siegte mit nur 68 Strafpunkten in der Gesamtwertung. Die Klassenwertungen: Klasse 1: Manfred Nord, Klasse 2: Trian Tsolakidis, Klasse 3, Andreas Franz, Klasse 4, Marco Wittkuhn, Klasse 5, Markus von Haken, Klasse 6: Andreas Mundt, Klasse 7: Peter Kirchner.

Nach nunmehr 6 Meisterschaftsläufen ergibt sich folgendes Bild in der DMV Formel Vau 2020: Peter Kirchner (Merlin, Klasse 7) führt vor Joe Welzel (DRM, ebenfalls Klasse 7), gefolgt von Marco Wittkuhn (Royale, Klasse 4).

Text: Thomas Cramer

Fotos: Leo Eder