06/20/18

Nürburgring 2018

Nürburgring Classic: Otto Mathé-Wanderpokal geht erstmalig nach Liechtenstein an Johann Wanger

56 DMV-Formel Vau-Starter fanden am Donnerstag den Weg in die Eifel. Und die zeigte sich mal wieder so wie sie langjährige Nürburgring-Fans kennen – rein wettertechnisch gesehen versteht sich. Mit Regen. Der Ablauf des Gastgebers der Nürburgring Classic verlief auf Schönwetterniveau. Eine reibungslose Organisation gewährleistete, dass alle Aktiven die ansprechend vorbereiteten, in der Formel Vau schier endlos erscheinenden Zeltunterkünfte im gutsortierte Fahrerlager beziehen konnten und sich alsbald der Wiedersehensfreude im clubeigenen Cateringbereich und in der bereits jahrelang erprobten ortsansässigen Gastronomie in Nürburg hingeben konnten. Bereits Freitag zeigte sich der Ring bei der obligatorischen Papier- und technische Abnahme freundlicher. Fortan blieb es trocken – abgesehen von einem Sekundenschauer im 2. Wertungslauf am Samstagabend. Nach der Fahrerbesprechung, bei der Benjamin Havermans mit Ruben van Hoorn und Armin Lorch wieder zwei Erststarter begrüßen konnte, stand die Vorbereitung auf das Geschehen auf der Strecke im Mittelpunkt der Aktivitäten der Teilnehmenden.

Pünktlich ging es anschließend ins freie Training, das ohne Zwischenfälle verlief. Diente das freie Training vor allem dem (Wieder-) Kennenlernen der Strecke und dem Abstimmen des Fahrzeugs, ging es im folgenden Zeittraining um die Startaufstellung für die anspruchsvolle Gleichmäßigkeitsprüfung der DMV-Formel Vau.Vorne platzierten sich bei regem Verkehr erwartungsgemäß die wassergekühlten Super Vaus der Klasse 5. Allen voran Rüdiger Mager in der Ex Frank-Lampe „Duscholux-Lola“ vorm Schweizer Max Kohler im Ralt gefolgt von Wolfgang „Bobo“ Götz im Ex-Tibor Meray Veemax. Es folgten Joe Welzel im Klasse 7 DRM, Markus von Haken im Klasse 5 Lola vor Dirk Kornmeyer, der zunächst zurückhaltend im March der Klasse 5 auf P 6 eingelangte, Detlef Creutz im Maco, Winfried Kornmeyer im zweiten March des Kornmeyer-Teams (alle Klasse 5). Die Top-Ten komplettierten die Klasse 7-Piloten Thomas Cramer (Kogo) und Manfred Benninger im Mega von Ü-85-Racing (!). Die weiteren Platzierungen finden Sie auf unserer Ergebnisseite hier. Schnellster luftgekühlter Super Vau der Klasse 4 war einmal mehr Rob van Hoorn (NL) im Kaimann. Danach wurde es allerdings harzig für den fliegenden Holländer – technische Probleme bremsten den fliegenden Holländer ein. Dies wurde allerdings mehr als aufgewogen durch die Tatsache, dass drei Generationen der holländischen van Hoorn-Formel-Vau-Dynastie auf der Rennstrecke weilten: Neben Teamchef Jaap, selbst erfolgreicher Vau-Pilot der Zweivergaser-Ära in den 1970-ern feierte Enkel und Robs Sohn Ruben van Hoorn (Autodynamics, Klasse 1) im ORTHEYs-Formel-Vau-Junior-Team seine Rennstreckenpremiere.

Erstmalig im selbst neu aufgebauten DRM (Klasse 7) mit dabei war Klaus Dober, ein Urgestein der Formel Vau – und mit den van Hoorns seit den 1970-ern verbunden. Zunächst noch eingebremst durch kleine Kinderkrankheiten und die „Holzreifen“ unbestimmten Alters kam der Routinier dann auf neuen Reifen im Laufe des Wochenendes immer besser in Fahrt und kletterte in den Zeitenlisten nach oben. Wie üblich bester Einvergaser der Klasse 2 war Meister Robin Kluth im österreichischen Hick. Die Zweivergaser-Bestzeit sicherte sich Mark Spanbroek (NL) im Kaimann vor seinen zahlreichen Klassenfreunden der stark besetzten Klasse 3. Die Klasse 1 Bestzeit ging bei ihrem ersten Auftritt in 2018 souverän an die junge Luxemburgerin Sarah Havermans im Apal.

Eine Überraschung im Fahrerlager gab es dann am Samstag: Eine Sonderfahrerbesprechung wurde per etablierter WhatsApp-Fahrerlagergruppe einberufen. Das geschieht nur aus besonderen Anlässen - meistens dann, wenn Fehlverhalten auf der Strecke dies erfordert. Alle kamen in gespannter Erwartung. Der Vorsitzende der Historischen Formel Vau Europa Benjamin Havermans gab allerdings zu Beginn bezüglich der Erwartungen Entwarnung: Alles o.k. auf der Strecke bisher! Der Anlass war indes ein erfreulicher: Der langjährige technische Kommissar der Serie, Knut Wartenberg feierte seinen 75sten Geburtstag. Und dann erschall eine sehr kräftiges und kräftigendes „Happy Birthday“ – garniert mit der Übergabe kleiner Geschenke an Knut, der über viele Jahre entscheidend dazu beigetragen hat, dass die größte Formelserie Europas ein solches technisches Niveau erreichen konnte. Danke Knut – und dass Du uns noch lange erhalten bleibst. Alles Gute für Dein neues (TK-) Lebensjahr!

Samstags dann die beiden 25-minütigen Wertungsläufe. Ausgefahren wie immer im anspruchsvollen Gleichmäßigkeitsmodus: Die schnellste Runde ist die Referenzrunde. Die drei Runden mit der geringsten Abweichung ergeben die Wertung. Heißt: Die Aktiven können sich durch eine schnelle Runde am Ende ihre noch Wertung nachhaltig „versemmeln“. „Gleichmäßig schnell“ – das ist das angestrebte Ziel. „The cars are the stars!“ Das erfordert bei den hohen Geschwindigkeitsunterschieden allerhöchste Aufmerksamkeit und sportliche Rücksicht bei den Aktiven, denn ab der zweiten Runde gibt es ein reges Überrundungsgeschehen. Dabei gelten die klaren Fahrtregeln der Formel Vau: das langsamere Fahrzeug hält die Linie, um kalkulierbar zu bleiben. Der Überholdende trägt die Verantwortung für den Überholvorgang. Das Vorbeifahren erfolgt im Einvernehmen. Das macht das Geschehen auf der Strecke sicher, aber auch anspruchsvoll. Im Zweifelsfalle muss zurückgesteckt werden. Laut Reglement ist jedes Pressen, Sperren und Behindern verboten. Wenn das im Eifer des Gleichmäßigkeitsgefechts passieren sollte, sind die Beteiligten angehalten miteinander zu sprechen. Aber erst, wenn die erste Aufregung verpufft ist. Sollte das ergebnislos verlaufen, erfolgt ein Gespräch mit den Serienkoordinatoren. Natürlich vorbehaltlich und angesichts der sportrechtlichen Maßnahmen der Rennleitung. Am Ring blieb es bei bilateralen Gesprächen. Ein Modus, der sich bewährt hat und den Dialog und das gegenseitige Verstehen fördert. Am Rande wurde in gewöhnlich einschlägig gut informierten Kreisen mit einem Schmunzeln quittiert, dass die FIA, die bislang offiziell keine Gleichmäßigkeit kennt, in Verbindung mit dem DMSB überlegt, historische Bewerbe künftig im Gleichmäßigkeitsmodus auszuschreiben …

Im gleichmäßigen Wertungslauf der DMV-Formel Vau gilt bis einschließlich der ersten Kurve „gelb“. Dann kann überholt werden. Beim Layout der Grand Prix-Strecke führte dieser sehr klare Modus allerdings zu Irritationen. In der engen Kurve 1 ist es oft zweifelhaft, wer vorne fahren darf. Im Eifer des Startgetümmels verkehrte sich gelegentlich die Reihenfolge. Einige Aktive gingen im Zweifelsfall auf ihre eigentliche Position zurück, sodass die Sportwarte im Zweifel waren, ob es sich tatsächlich um Gelbverstöße handelte oder nicht. Die Pragmatik der Rennleitung vermied, dass es zu Ahndungen kam. Vorteile waren nicht erkennbar. Und so machten sich alle auf ihre gleichmäßigen Runden. Die wurden ohne gravierende Einschränkungen und Vorkommnisse gefahren – und erforderten keine Maßnahmen oder zusätzliche Fahrerbesprechungen. Dafür waren die Anlässe erfreulicher – siehe oben. Geburtstagständchen statt Nacharbeiten. Im ersten Wertungslauf siegten in den Klassen:

Klasse 1 : Sarah Havermans (LUX, Apal) vor Thomas Stieper (D, Apal) und Rookie Ruben van Hoorn (NL, Autodynamics)

Klasse 2: Philipp Orthey (D, Austro Vau) vom Formel Vau Junior Team vor Robert Waschak (A, Austro Vau) und Richard Nachbar (D, MoTul)

Klasse 3: Johann Wanger (LIE, LCR) vor Rüdiger Müller (D, ROC) und Bernhard Zimmermann (A, Kaimann)

Klasse 4: Christoph Hasler (CH, Lola) vor Joachim Ohlinger (D, Tasco) und Thomas Schmidt (D, Royale)

Klasse 5: Winfried Kornmeyer (D, March) vor Oswin Büchl (D) im Ralt von Max Kohler und Dirk Kornmeyer (D, March)

Klasse 6: Andreas Mundt (D, Scarab)

Klasse 7: Manfred Benninger (D, Mega) vor Günter Filthaut (D, Kogo) und Peter Kirchner (D, Merlin).

Gesamtsieger des ersten Laufs wurde Winfried Kornmeyer (D, March, Klasse 5) vor Johann Wanger (LIE, LCR, Klasse 3) und Oswin Büchl (D, Klasse 5) im Ralt vom Eidgenossen Max Kohler. Max haderte mit unerklärlichen Vibrationen am schnellen Ralt. Und alsbald saß Oswin nach genehmigtem Fahrerwechsel durch die Rennleitung aus diagnostischen Gründen im Ralt, konnte allerdings die diversen Vibrations-Hypothesen nicht erhärten und fuhr stattdessen von ganz hinten gestartet lieber gleichmäßig schnell.

Beindruckend zwischen den Läufen war wie immer die gegenseitige Unterstützung der Teams bei den kleinen und größeren (technischen) Notfällen. Oswin Büchl, Jan Tjassing und Wilfried Wittkuhn waren jederzeit zur Stelle und viel beschäftigt. Mit sichtbarem Erfolg, denn es gab kaum Ausfälle zu verzeichnen.Überraschung dann für Formel-Vau-Urgestein Jukka Puurunen aus Finnland. Jukka, der seit über 50 Jahren aktiv ist und dafür auch vom finnischen Motorsportverband geehrt wurde, denkt leise ans Aufhören. Er hat aber bereits ein neues Auto – natürlich einen Veemax – aufgebaut. Insofern hofft die Fahrergemeinschaft auf sein Weitermachen. Was da noch geht, das zeigt Vereinsfreund Manfred Benninger, der mit „Ü-85“ regelmäßig aufs Podium fährt. Jukka jedenfalls erhielt überraschenden Besuch seines finnischen Fanclubs – allen voran seine Frau Gemahlin. Wenn das keine Motivationsspritze fürs Weitermachen ist …

Der zweite Wertungslauf startete am Samstag um viertel vor Acht (am Abend ;-). Er verlief mit viel Action völlig ohne Zwischenfälle. Im zweiten Wertungslauf siegten in den Klassen:

Klasse 1 : Sarah Havermans (LUX, Apal) vor Thomas Stieper (D, Apal) und Erststarter Armin Lorch (D) im Rion.

Klasse 2: Bart Kuipers (NL, Beach) vor Meister Robin Kluth (D, Hick) und Tim Renn (D, Olympic)

Klasse 3: Nick Ohlinger (D, Kaimann) vor Johann Wanger (LIE, LCR) und Mark Spanbroek (NL, Kaimann)*

Klasse 4: Leonard Sommer (D, Tasco) vor Thomas Schmidt (D, Royale) und Joachim Ohlinger (D, Tasco)

Klasse 5: Detlef Creutz (D, Maco) vor Rüdiger Mager (D) im Duscholux-Lola und Markus von Haken (D, Lola)

Klasse 6: Andreas Mundt (D, Scarab)

Klasse 7: Günter Filthaut (D, Kogo) vor Thomas Cramer (D, Kogo) und Stefan Wind (D, DRM).

Gesamtsieger des zweiten Laufs wurde Nick Ohlinger (D, Kaimann, Klasse 3) vom Ohlinger Team vor Detlef Creutz (D, Maco, Klasse 5) und Bart Kuipers (NL, Beach, Klasse 2).

Der Otto Mathé-Wanderpokal von Sponsor Mathé wurde diesmal in Oschersleben und am Ring in der Eifel ausgefahren. Für ein Jahr nahm ihn erstmalig Johann Wanger (LIE) im vom legendären Formel Vau- und Gespannkonstrukteur gebauten und betreuten Louis Christen LCR (Louis Christen Racing) mit ins Fürstentum Liechtenstein. Herzliche Gratulation alle Siegern und Platzierten dieses tollen Wochenendes in der Eifel!

Großes Lob gab es bei der sonntäglichen Siegerehrung vom Veranstalter für das tolle Feld, das das Publikum begeisterte. Und die Bilder der Podien ändern sich: es sind viele junge Gesichter zu sehen. Besonders schön und für Opa Jaap auch berührend, dass es Ruben van Hoorn bei seinem ersten Einsatz auf P 3 im ersten Lauf der Klasse 1 schaffte. Toll! Der unkende Zwischenruf „ein bisschen mehr Jugend wär schon schön“ für ein „klassisches“ Podium zeigt, wo die Formel-Vau-Reise hingeht. Sicher aber vereint sie alt und jung. Aktuell zwischen 18 und 86 Jahren. Und das ist besonders schön und eindrucksvoll. Zumal die Generationen miteinander sprechen und sich über alte und ganz neue Erfahrungen lebhaft austauschen. Das ist er: der born to be Vee-Geist, für den und in dem alle leben und fahren.

Da am Sonntag kein Lauf stattfand, konnten sich die Aktiven bis zur Siegerehrung am Sonntagmittag dem Genuss der Benzingespräche im Cateringzelt und den Läufen der anderen Serien, allen voran dem der ehemaligen DTM-Autos, kommentiert von Formel Vau-Legende und Ehrenmitglied Rainer Braun widmen. Versüßt wurde dieser Genuss auch durch eine Kölsch-Bier-Beigabe von Formel-Vau-Neu-Unterstützer Goodyear ;-)

Weiter mit viel born to be Vee-Geist geht’s zum Sommerprogramm zu Demoläufen beim Freddy Kottulinsky Revival (Ex ATS-Super Vau-Star) nach Schleiz und – organisiert durch die französische Clubsektion - wie vor zwei Jahren wieder nach Le Mans. Und dann mit der internationalen Serie Anfang August nach Zandvoort in die Dünen.

Besuchen Sie uns jederzeit gerne. Wir freuen uns auf Sie und mit Ihnen bei unserer Formel Vau!

Alle Ergebnisse finden sie hier.

Text: Frank Orthey

Fotos: Carla Muijs und Astrid Orthey

Clubmitglieder finden Galerien vom Wochenende im internen Bereich der Website.

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Die Historische Formel Vau ist eine Serie im Rahmen der

Fahrergemeinschaft Historischer Rennsport (FHR)


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