Posted On 05/09/2021 By In Highlights, News/ Berichte With 976 Views

Stunde der Formel Vau im Rahmen der Bosch Hockenheim Historic

Einmal im Jahr ticken die Uhren bei der Historischen Formel Vau Europa die Uhren ein wenig anders. Denn neben der internationalen Serie „DMV Formel Vau“ wurde Ende August nun schon zum vierten Male die „Stunde der Formel Vau“ im Clubsportformat ausgetragen.

In diesem Jahr konnten wir dank der exzellenten Verbindungen unseres Club-Mitglieds Manfred Nord dieses alljährliche Saison-Highlight im Rahmen der „Bosch Hockenheim Historic – das Jim Clark Rivival“ austragen. Dem Veranstalter war das Kunststück gelungen, neben hochkärätigen Serien wie der Gruppe C-Supercup, den PS-starken CanAm-Boliden, sehenswerten Tourenwagen Classics, den GT Classics sowie historischen Formel 1-Fahrzeugen auch endlich wieder Zuschauer an die Strecke zu bringen. Das 3G-Konzept überzeigte die Verantwortlichen der Stadt Hockenheim. So wehte ein Hauch von Normalität durch die corona-geplagte historische Rennszene. In der Startaufstellung herrschte – ganz wie früher – hektisches Treiben. Motorsportbegeisterte, Fotografen und die Helfer wuselten umher. So etwas hatte die Formel Vau zuletzt in 2019 erlebt … Sogar die Tribünen waren gut gefüllt, mit Abstand natürlich. Und hinter der Boxengasse gab es Imbissstände und Shops. Von allen Seiten gab es deshalb großes Lob für die perfekte Organisation des Veranstalters.

Die „Stunde der Formel Vau“ ist ein besonderes Format das Fahrer wie Zuschauer begeistert. Denn hier werden die historischen Monopostos eine ganze Stunde lang im anspruchsvollen Gleichmäßigkeitsformat auf der Strecke bewegt. Da die Tanks der Vaus im Regelfall nicht für solche Distanzen ausgelegt sind, erfolgt ein Pflichtboxenstop, bei dem nachgetankt werden kann.

Ein weiterer Aspekt dieses Boxenstops ist die Möglichkeit des Fahrerwechsels. Traditionell kommen hier auch einmal Fahrer zum Einsatz, die neu in die Renn-Szene hineinschnuppern oder sonst selten bis gar nicht zum Einsatz kommen. So hatte Frank Orthey gleich zwei seiner wunderschönen Vaus für Wegbegleiter und Familie bereitgestellt. Der wunderschöne Orthey-Autodynamics (das älteste Auto im Feld) wurde von Christoph Wohn und Thomas Mayer bewegt. Im Klasse 7-Kogo (wiederum dem jüngsten Vau) kam Philipp Orthey im Wechsel mit ebenfalls Christoph Wohn zum Einsatz. In der niederländischen „Vau-Fraktion“ teilte sich Ruben van Hoorn seinen Beach mit dem langjährigen „Chefmechaniker“ Jan Tjassing und im „Team Spanbroek“ teilte sich Mark seinen wunderschönen Brut-Kaimann mit seinem Cousin Camiel Rijlaarsdam. Familienbande führten auch zu den Fahrerkombinationen Büchl/Büchl – hier überließ Oswin Büchl seinem Sohn Maxi das Steuer seines Lola T328 – und Müller/Müller, dort zeigte Dennis Müller seinem Vater Walter, dass man mit dem Ralt Super Vau  sogar die ein oder andere eine Sekunde schneller fahren kann. Sein Verständnis von Jugendförderung bezeugte wiederum Rüdiger Mager. Er überließ der jungen Lara-Luisa Link, die erst seit zwei Saisons dabei ist – aber dabei eindrucksvoll ihr Talent bewies, seinen liebevoll restaurierten und schnellen Ex-Joe-Gartner Lola T620.

Weiterer schöner Beweis für das Motto „Vau wie Vreundschaft“: Seit einigen Jahren verbindet die Familie Kornmeyer und den mittlerweile im „Vau-Ruhestand“ befindlichen Max Kohler ein ganz besonderes „deutsch-schweizerisches“ Band. Immer wieder half man sich gegenseitig bei technischen Problemen, selbst das Einsatzfahrzeug wurde dem Meisterschafts-Konkurrenten selbstlos zur Verfügung gestellt. So war es quasi selbstverständlich, dass man die Gelegenheit nutzte, bei der „Stunde“ die Autos zu tauschen. Kurzerhand wurden die Boxenstops so koordiniert, dass man die Autos wechseln konnte …

Der Freitag begann mit einer Kuriosität. Die Vauler sollten den Renntag als erste Serie um 09:00 Uhr beginnen. Da aber die Motorenruhe auf exakt neun Uhr (auf Verlangen von Anwohnern) verlängert wurde, konnten die Vauler nicht wie gewohnt 30 Minuten vor dem Start des freien Trainings ihr Motorenaufwärm-Programm und die Zufahrt in die Startaufstellung realisieren. Mit großer Gelassenheit nahmen die Aktiven diese ungewöhnliche Situation hin. Um 9 Uhr startete man aus dem Fahrerlager in Kolonnenfahrt zur Startaufstellung, um dort dann gleich auf die Strecke abzubiegen. Auf dieser lief es dann für einige Autos nicht ganz so glatt. Ölverluste sorgten für schwierige Bedingungen. Trotzdem konnten insbesondere die „Fahranfänger“ wertvolle Erkenntnisse über Fahrzeug und Strecke sammeln.

Am Nachmittag sollte dann das Qualifying folgen, bei dem die Startaufstellung für den Stundenlauf ermittelt werden. In der Klasse 1 sicherte sich Udo Besser (Fuchs) den 31. Startplatz. Die Klasse 2 führte das Team Knebel-Kluth (Austro Vau) mit Startplatz 21 an, schnellster Klasse 3-Vau wurde Nick Wittkuhn (Kaimann)- Startplatz 16, in Klasse 4 platzierte Joachim Ohlinger seinen RSM Tasco auf Startplatz 20. In der Klasse 5 zeigte einmal mehr Oswin Büchl sein Können, die schnellste Quali-Runde (1:49:548) sorgte für Startplatz 1. Die Klasse 7 der modernen Formel Vau repräsentierte mit Startplatz 9 sensationell das Team Wolf/Schneider.

Am Samstag wiederum sollte die Historische Formel Vau das Finale des Tages bilden. So konnten die Aktiven einen wunderschönen Tag auf dem Hockenheimring genießen, wobei manch einer sorgenvoll gen Himmel blickte, der sich ein ums andere mal verdunkelte. Aber es blieb bei kurzen Schauern, die das Geschehen nur unwesentlich beeinflussten. Zum Start des Stundenlaufs war die Bewölkung verzogen, sogar die Sonne zeigte sich wieder.

Nun zum Renngeschehen: Vater Oswin Büchl hatte den Lola T328 auf die Poleposition gesetzt, so fand sich Sohn Maxi, der erst zum zweiten Mal am Steuer eines Formel-Boliden saß, an der Spitze des Feldes. Souverän führte er das Feld beim Start hinter dem Safety-Car durch die Einführungsrunde. Er hatte schon vorher angekündigt, dass  er „sein Ding“ machen werde und sicher keine Verrücktheiten, um unbedingt vorn zu bleiben. In der Spitzengruppe begann eine wilde Hatz mit zahlreichen Positionswechseln. Mittendrin Lara-Luisa Link, die den Jim Beam-Lola T620 beherzt um den Kurs bewegte. Auch der Junior des Müller-Teams machte seine Sache bestens. Dennis zeigte den arrivierten Fahrern nach ein paar Eingewöhnungsrunden, dass mit ihm zu rechnen ist.

Und auch im gut besetzten Mittelfeld ging es zur Freude der Zuschauer – hart aber fair – zur Sache. Die schnellsten Zwei- und Einvergaser klopften mit ihren Top-Rundenzeiten bei der jeweils höheren Klasse an. Immer wieder kam es zu sehenswerten Duellen und schönen Überholmanövern.

Am Ende kommt es bei der Historischen Formel Vau natürlich darauf an, besonders gleichmäßig (schnell) seine Runden zu drehen. In den Klassenwertungen führte dies zu folgenden Siegern: Klasse 1 sicherte sich Thomas Stieper (Apal), Klasse 2 gewann Eckardt Guhl (Burkhart), die Klasse 3 führte Nick Wittkuhn (Kaimann) an. In Klasse 4 siegte Routinier Siegfried Fischer (Lola), den Klassensieg in Klasse 5 holte sich Heiko Engelke (Lola) und Klasse 7 gewann der Meister von 2020, Peter Kirchner.

Gesamtsieger wurde Eckardt Guhl (Burkhart, Klasse 2), vor Kenneth Schlienz (Fuchs, Klasse 2), Heiko Engelke (Lola, Klasse 5), Peter Kirchner (Klasse 7) und dem Team Wolf/Schneider (Klasse 7).

Nun wartet das Saisonfinale in Zolder auf die Aktiven. Anfang Oktober stehen dort die Läufe 7 und 8 der DMV Formel Vau an. In der Gesamtwertung ist noch alles offen. Robert Waschak führt derzeit vor Joe Welzel und Tim Renn. Und auch in den Klassenwertungen ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Die Aktiven können sich also auf ein spannendes Finale freuen.

Text: Thomas Cramer
Fotos: Leo Eder