Posted On 07/07/2019 By In News/ Berichte With 1570 Views

Heiße Rennaction im Glutofen von Most

Über dreißig Formel-Vau-Piloten fanden am letzten Juni-Wochenende den Weg nach Tschechien, um dort die Läufe 5 und 6 der DMV Formel Vau-Meisterschaft abzuhalten. Im Rahmen der OMX MaxxMotion NASCAR Show ging es das erste Mal auf die interessante Strecke in Most. Heißes Sommerwetter, heiße Rennaction und ein rennsportbegeistertes  tschechisches Publikum sorgten für ein tolles Highlight des diesjährigen Formel-Vau-Kalenders.

Der Veranstalter hatte nicht zu viel versprochen: Tausende Zuschauer säumten die Strecke. Denn wann bekommt man schon mal amerikanische NASCAR-Boliden auf europäischen Boden im Renntempo zu Gesicht? Alles in allem eine wirklich professionell organisierte Veranstaltung, wenn auch mit Abzügen in der B-Note, zu denen wir zum Schluss des Artikels kommen.

Am Freitag Nachmittag stand das freie Training an. Dieses diente vor allen Dinge dazu, die auf den ersten Blick unspektakuläre Strecke, die aber mit zahlreichen Tücken überrascht, kennen zu lernen. Kennen lernten sich dann auch gleich zu Beginn Klasse-2-Pilot Bastian Müller und Wolfgang Götz mit seinem schnellen VeeMax-Super-Vau. Leider endete diese Bekanntschaft im Kiesbett der ersten Schikane nach Start und Ziel. Spätbremser Götz missinterpretierte Bastian Müllers weite Linie und konnte mit blockierenden Vorderrädern das Schlimmste nicht mehr verhindern. Er schob Müller an und zerstörte dabei den Vorderwagen seines Super Vau. Was dann auch das sehr frühe Aus für Götz bedeutete, der Veemax war nicht mehr zu reparieren. Bemerkenswert: Der stabile RPB-Einvergaser trug nicht mehr als ein paar Schrammen davon… Am Besten kamen mit der trickreichen Strecke kamen Rüdiger Mager (Lola, Klasse 5) und Joe Welzel (Klasse 7) zurecht, die das vorläufige Klassement anführten.

Als am frühen Abend die Temperaturen langsam etwas kühler wurden, stand das Qualifying an: Früh zeigte sich, dass auch hier Rüdiger Mager im Klasse 5-Lola und Dirk Kornmeyer (March, Klasse 5) die Strecke am besten verinnerlicht hatten. Zur eigenen Überraschung fand sich der Autor dieser Zeilen tatsächlich als Drittschnellster auf der Zeitenliste wieder. Der in Most von ihm zum ersten Mal eingesetzte ASS-Lola (Klasse 5) lief hervorragend. Ein perfekter Einstand für die neue Fahrer-Fahrzeug-Kombination. Unschöner Pointe des Qualifyings: Wieder war Bastian Müller unverschuldet in den Mittelpunkt geraten. Wieder die erste Schikane nach Start und Ziel, wieder war es ein Super Vau, der die Situation falsch einschätzte… Wieder landeten beide Fahrzeuge im Kiesbett. Ekkehard Strobel hatte den Bremspunkt falsch gewählt und schob den RPB-Einvergaser an. Zum Glück sind die die schwedischen RPBs wohl sehr stabil gebaut. Während Strobels schöner Royal ziemlich zerstört ins Fahrerlager geschleppt wurde, zeigte sich an Müllers RPB-Heck gerade mal ein kleiner Kratzer. „Wer auffährt hat Schuld, das geht natürlich auf meine Kappe“, so der Kommentar des fairen Sportsmanns Ekkehard Strobel, der nach dem Qualifying dann einpacken musste. Zu den Ergebnissen: Wie erwähnt setzte Rüdiger Mager (1:47:312) seinen schönen Jim Beam-Lola (Klasse 5) auf die Pole vor Dirk Kornmeyer (1:49:211) im March, ebenfalls Klasse 5. Schnellstes Klasse 7-Auto war Joe Welzel im DRM (1:51:126), bei der Klasse 4 war Marco Wittkuhn der Schnellste (Royale, 1:57:310) und schnellster Klasse 3-Bolide war der Holländer Mark Spanbroek im Kaimann (1:59.384). Gewohnt schnell unterwegs im Klasse-2-Hick war Robin Kluth mit 2:02:387, die Klasse 1 war nicht in Most vertreten.

Im ersten Lauf am Samstag entwickelte sich bei Temperaturen um die 30 Grad ein sprichwörtlich heißes Rennen zwischen Pole-Mann Rüdiger Mager und den Verfolgern Dirk  Kornmeyer und dem Schweizer Max Kohler im wunderschönen Ralt. Im Ralt steckt in dieser Saison der Fehlerteufel Weil die Öltemperatur bei 160 Grad lag und die Öldruckanzeige gefährlich niedrige Werte zeigte, musste Kohler im letzten Drittel des Laufs abstellen.Auch für Rüdiger Mager endete der Lauf ärgerlich. Eine Runde vor Schluss ging ihm der Sprit aus, zu allem Unglück entdeckt er nach dem Lauf auch noch einen Reifenschaden an seinem Lola, den einst Joe Gartner fuhr.

Zu den Ergebnissen: Klasse 2 gewann Kenneth Schlienz mit sagenhaften 77 Strafpunkten vor Robin Kluth und Newcomer Lorenz Gröning. Die Klasse 3 führte Mark Spanbroek vor Bernhard Zimmermann und Dieter Hofbeck an. Bei den luftgekühlten Super-Vau der Klasse 4 gewann Rob van Hoorn vor Anselm Gröning und Marco Wittkuhn. Die Klasse 5 der wassergekühlten Super-Vau gewann Thomas Cramer vor Dirk Kornmeyer und Winfried Kornmeyer. Klasse 6 gewann (immer noch ohne Konkurenz) Andreas Mundt und die Klasse 7 der modernen Vau gewann Klaus Dober vor Joe Welzel und Erststarter Kay Volk.

Der zweite Lauf fand (durch einen Fehler der Rennleitung) um eine Stunde verspätet am späten Sonntagnachmittag statt. Die Temperaturen hatten mittlerweile 37 Grad erreicht. In der Startaufstellung zeigte sich ein leicht dezimiertes Starterfeld. Der Polesetter wollte nach dem Reifenschaden am Vortag nichts mehr riskieren und packte vorzeitig ein. So übernahm Dirk Kornmeyer die erste Startposition und der Autor dieser Zeilen fand sich zum ersten mal in seiner Formel-Vau-Karriere in der ersten Startreihe wieder. Dem perfekt laufenden ASS-Lola geschuldet, konnte Cramer dann am für gewöhnlich ultraschnellen Dirk Kornmeyer dranbleiben. In Runde zwei der erste Überholversuch, den Kornmeyer noch kontern konnte. In Runde drei zog dann Cramer auf der Start-Ziel-Geraden noch mal vorbei und konnte sich gleich ein wenig absetzen. Kornmeyer musste wegen Temperaturproblemen am March zurückstecken und Cramer so seine ersten Führungsrunden genießen. Dirk Kornmeyer stellte dann nach Runde 7 schließlich ab, weil die Wassertemperaturen im March langsam ungemütlich werden. So konnte Cramer gegen Rennende das Ergebnis verwalten und ging als erster über die Ziellinie. So viel zum für die Gleichmäßigkeitswertung natürlich unerheblichen Teil…

Kenneth Schlienz zeigte in Klasse 2 mal wieder mit 107 Strafpunkten, dass an ihm in dieser Saison kein Weg vorbeiführt. Platz zwei ging an Bastian Müller, den dritten Platz sicherte sich auch im zweiten Lauf Youngster Lorenz Gröning. Über den Sieg in der Klasse 3 freute sich Dieter Hofbeck, vor Bernhard Zimmermann und Mark Spanbroek. Bei den luftgekühlten Super-Vau der Klasse 4 kam nur Marco Wittkuhn ins Ziel und sicherte sich so den ersten Platz. Klasse 5 wiederum konnte wieder Thomas Cramer für sich entscheiden, vor Routinier Winfried Kornmeyer. Klasse 6 ging an Andreas Mundt, in Klasse 7 brillierte Tom Eder mit sagenhaften wenigen 98 Strafpunkten vor Joe Welzel und Kay Volk.

Zum Schluss  noch eine wunderschöne Geschichte aus dem Fahrerlager: Dort landete am Sonntag nachmittag „hoher Besuch“. Michael Bleekemolen, ehemaliger Formel 1-Pilot bei RAM Racing und ATS, besuchte seinen Rennfahrer-Freund aus der guten alten Formel Vau-Zeit, Jaap van Hoorn. Bei den van Hoorns sitzt mittlerweile die dritte Generationen hinter dem Vau-Lenkrad, Jaaps Sohn Rob steuerte in Most den Kaimann-Super-Vau und Enkel Ruben saß hier hinter dem  Steuer seines Beach-Einvergasers. Bleekemolen und van Hoorn hatten sich viel zu erzählen, doch viel zu schnell schnell riefen die Verpflichtungen Bleekemolen, Teamchef eines der NASCAR-Europa-Teams, zurück an die Arbeit.

Ende Juli geht es zu den  Läufen 7 und 8 in die Niederlande ins schöne Zandvoort. Dort feiert die Historische Formel Vau Europa zusätzlich mit zwei Sonderläufen ihr 25-jähriges Bestehen. Die Aktiven können sich auf ein also attraktives Rahmenprogramm freuen.

Text: Thomas Cramer

Fotos: Dirk Hartung/Agentur Autosport.at / Thomas Cramer

 

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