Posted On 12/08/2026 By In Highlights, News/ Berichte With 4667 Views

Premiere beim Historic Grand Prix Zolder

Nachdem die Historische Formel Vau Europa jahrelang Zolder zum Saisonabschluß besuchte, griffen die Aktiven in diesem Jahr erstmals im Sommer im Rahmen des Historic Grand Prix Zolder ins Lenkrad.  Das Fahrerlager war gut gefüllt, überall waren tolle Rennwagen zu sehen, eine ganz besondere Atmosphäre schwang durch belgische Rennstrecke, die in den 80ern auch Schauplatz von Formel-1-Rennen war.

Es eröffneten sich ganz neue Wetterperspektiven. Keiner banger Blick zum Himmel. Kein hektischer Wechsel auf Regenreifen. Stattdessen schönstes Wetter, das ganze Wochenende über. Es roch nach Sonnenmilch im Fahrerlager, manche einer hatte sich sogar einen Kinderpool hinters Rennauto gestellt um sich abzukühlen.

In Zolder konnte die HFVE unter anderem zwei neue Fahrer begrüßen: Der Belgier Luc de Cock startete im Kaimann Zweivergaser, er war in den 70ern aktiv Formel Super Vau gefahren, unter anderem auf Lola T326 und T620. Erle Minhinnick war jahrelang Chairman des 750 Motor Club in Großbritannien, der die Heimat einer lebendigen Formel-Vau-Community auf der englischen Insel war und ist. Er bereichert mit seinem Apal Einvergaser ab sofort unser Feld.

Das Wetter machte den Fahrern keine Sorgen, dafür war kollektives schrauben angesagt

Calvin  Stauff hatte das ganze Wochenende mit Bremsdruck-Problemen zu kämpfen. Heiko Engelke operierte am offenen Herzen, sein Getriebe verweigerte die Zusammenarbeit. Rüdiger Müller hatte im Qualifiying etwas zu sehr gepusht. Ergebnis: Ein ondulierter Frontspoiler am March Super Vau. Ganz nach alter Sitte wurde der Spoiler mithilfe von Epoxy-Kleber und etwas Racetape fachgerecht in Stand gesetzt. „Neuling“ Erle Minhinnick wiederum musste erst ein paar Standschäden am Apal beheben. Der Öldruck sank beim freien Training bedenklich. Aufgabe war keine Option, sagte sich Fahrerkollege Calvin Stauff, schließlich sollte Erle den weiten Weg aus Großbritannien nicht umsonst auf sich genommen habe. Also wurde Bauteil für Bauteil zerlegt, Ersatzteile bei Nachbarteams organisiert und der Fehler schließlich behoben.

Für Alfons Heiss lief es leider nicht so gut. Das Getriebe seines Bobsy streikte schon nach wenigen Runden im freien Training. Dieses Problem war vor Ort nicht zu beheben. Ähnlich erging es Andreas Franz. Der Motor seines Motul Zweivergasers war gerade frisch revidiert vom Motorenbauer zurück. Leider ging auch schon nach dem freien Training bei ihm nichts mehr. Wieder Motorschaden. Kuriosere Defekte beim niederländischen Vater-Sohn-Team:  Mark Spanbroek klagte über einen sich immer wieder abschaltenden Motor – ein Kabelbruch am Ein-/Ausschalter war zum Glück schnell behoben. Sohn Niels konnte die Gänge drei und vier nicht einlegen, auch hier hatte eine einfache Ursache große Wirkung: Die Sitzschalenbefestigung war gebrochen, der Fahrer rutschte ins Schaltgestänge und sorgte so dafür, dass die großen Gänge nicht mehr einzulegen waren. Bernd Brettschneider wollte seinem selbst konstruierten Merkin BR mal wieder Auslauf geben – Kupplungsprobleme zwangen ihn aber schon nach dem Qualifying zur Aufgabe. Im Team Stephanie Hohls / Andreas Mundt wurden übers Wochenende an beiden Fahrzeugen die komplette Motor/Getriebe-Einheit ausgebaut. Show-Schrauben für die Zuschauer…

Beim Qualifiying am Freitag trennte sich schnell die Spreu vom Weizen. Die anspruchsvolle Strecke fordert viel Mut und verlangt den Autos eine Menge ab. Die Poleposition sicherte sich Heiko Engelke (Lola T620, 1:44.735) vor Rüdiger Müller (March, 1:46.691) und Moritz Fischer (Lola T324, Klasse 4, 1:50.452). Schnellster Zweivergaser-Fahrer war Luc de Cock (Kaimann, 1:53.880). Schnellster Klasse-7-Bolide Lukas Glöckler (DRM, 1:54.486). Bei den Einvergasern setzte sich Eckhardt Guhl (Burkhart, 2:05.392) an die Spitze.

Einer der jüngsten im Fahrerfeld macht dem Verein große Freude. Moritz Fischer hat sich mit dem wunderschönen Lola T324 Super Vau seines Großvaters Siegfried bestens angefreundet. Er bewegt das historische Kulturgut artgerecht am Limit und lässt mit Bestzeiten aufhorchen – dabei fährt er absolut fair und mit viel Übersicht.

Bei den Wertungsläufen kommt es natürlich nicht darauf an, wer als erstes durchs Ziel fährt, sondern wer das anspruchsvolle Gleichmäßigkeits-Reglement am besten verinnerlicht hat und die wenigsten Strafpunkte sammelt.

In Lauf 1 glänzten drei Fahrer ganz besonders und sicherten sich das Podium im Gesamtklassement:

1.  Uwe Ahlers (Fuchs, 1029 Strafpunkte)
2. Lukas Glöckler (DRM, 1209 Strafpunkte)

3. Robert Waschak (Austro Vau, 1256 Strafpunkte)

Die Gruppenwertungen zeigten folgendes Bild:

Gruppe A

1.  Uwe Ahlers (Fuchs)
2. Robert Waschak (Austro Vau)
3. Wolfgang Rafflenbeul (Austro Vau)

Gruppe B

1. Luc de Cock (Kaimann)
2. Marco Wittkuhn (Royale)
3. Alfred Huwiler (Steck)

Gruppe C

1. Lukas Glöckler (DRM)
2. Stefan Abt (Scarab)
3. Sven Glöckler (Mega)

Und der zweite Lauf zeigte sogar noch spektakulärere Strafpunktwerte im Gesamtklassement:

1. Stefan Abt (Scarab, 652 Strafpunkte)
2. Klaus Lantenhammer (Autodynamics, 782 Strafpunkte)
3. Nick Wittkuhn (Kaimann, 820 Strafpunkte)

Zur Einordnung: Die „schlechteste“ der drei Vergleichsrunden  von Stefan Abt wich gerade einmal 0,282 Sekunden von seiner Bestzeit ab.

Die Gruppenpodien des zweiten Laufs im Überblick:

Gruppe A

1.  Klaus Lantenhammer (Autodynamics)
2. Calvin Stauff (Autodynamics)
3. Eckhardt Guhl (Burkhart)

Gruppe B

1. Nick Wittkuhn (Kaimann)
2. Rafael Branke (Kaimann)
3. Moritz Fischer (Lola)

Gruppe C

1. Stefan Abt (Scarab)
2. Lukas Glöckler (DRM)
3. Kai Volk (DRM)

Zwischen den Läufen sorgte mal wieder das Catering-Team für beste Stimmung. Was Monique und Rolf Plate am Rennplatz kulinarisch kredenzen, ist immer wieder aller Ehren wert. Daneben sorgen Aggi und Lothar Panten dafür, dass der Club-Transporter mit allem Nötigen vor Ort ist, die Club-Zelte aufgebaut werden und unter anderem auch Strom und Wasser fliesst. Und das alles im Ehrenamt, freiwillig und unbezahlt. Vielen Dank an das Catering-Team!

Die Gruppe „Vau wie Verantwortung“ kümmert sich um die ökologische Weiterentwicklung der Historischen Formel Vau. In Zolder mal wieder ganz pragmatisch: Eine Umweltstation reist von nun an zu jeder Veranstaltung mit. Sie enthält alles zum Beheben von kleinen Umweltsünden im Fahrerlager: Bindemittel/Besen/ Schaufel sind somit immer schnell verfügbar. Eine höchst sinnvolle Initiative.

Text: Thomas Cramer
Fotos: Leo Eder