Posted On 15/05/2026 By In Highlights, News/ Berichte With 3334 Views

Saisonstart bei der ADAC Hockenheim Historic

Die Historische Formel Vau Europa e.V. präsentierte sich zum Saisonbeginn bei der ADAC Hockenheim Historic, einem der bedeutendsten historischen Motorsportveranstaltungen Deutschlands. Bei bestem Frühlingswetter strömten rund 46.000 Besucher an den Hockenheimring und sorgten so für eine einmalige Atmosphäre.

Im Fahrerlager traf man Kris Nissen oder den DTM-Haudegen Roland Asch. Nebenan standen die wunderschönen Formel Junior-Rennwagen der Lurani Trophy. In der Boxengasse konnte man Ex-Formel 1-Fahrer Christian Klien, der im Prototypen beim Raceclub Germany antrat, beim Gespräch mit den Ingenieuren beobachten.

Die Veranstalter hatten eine gute Balance zwischen Rennsport-Event und Volksfest gefunden. Denn neben hervorragend organisierter Renn-Action gab es zahlreiche Verkaufsstände, ein vielfältiges kulinarisches Angebot und Event-Flächen. Da kämpfte sich ein Unimog des Unimog Club Gaggenau eine 100% Steigung hinauf, trainierten Kids am Formel 1-Simulator, liessen sich Mutige im Überschlag-Simulator des ADAC herumwirbeln und Schwindelfreie wurden mithilfe eines Autokrans in 30 Meter Höhe befördert.

Im Formel Vau-Fahrerlager herrschte mitunter dichtes Gedränge. Immer wieder interessierte Fragen, alte Formel Vau Haudegen trafen auf die Autos Ihrer aktiven Zeit. Kinder saßen stolz im Formel-Auto. Jede Reparatur geriet zum Show-Schrauben für die Zuschauer.

Die Fahrt in die Startaufstellung fühlte sich an,  als würde man eine belebte Fußgängerzone am Samstagnachmittag durchfahren. Handys wurden gezückt, Kinderaugen leuchteten, alles dauerte ein bisschen länger, aber war auch deutlich aufregender als bei anderen Events.

Die Historische Formel Vau hatte kurz zuvor eine traurige Nachricht erhalten. Im Alter von 73 Jahren war Dr. Thomas Eder völlig überraschend verstorben. Er war langjähriges Mitglied des Vorstands, als Kurator hatte er die Entwicklung des Vereins maßgeblich geprägt. In den 70er Jahren war er in der goldenen Ära der Formel Vau selbst als Fahrer aktiv und gab in den 2000ern in der Historischen Formel Vau als Fahrer sein Comeback. Bei den Wertungsläufen wurden die Fahrzeuge daher mit Trauerflor versehen, die Fahrer trugen schwarze Armbinden.

Zum Sportlichen: Die Bedingungen hätten nicht besser sein können. Schönstes Frühlingswetter, eine tolle Strecke und ein volles Fahrerfeld mit Fahrzeugen aus allen Epochen der Formel Vau. Vom 1964er Autodynamics bis hin zum modernen Formel Vau der frühen 2000er, alles war vertreten.

Wie so oft zu Saisonbeginn quälten die aus dem Winterschlaf geweckten historischen Rennfahrzeuge ein paar Wehwechen. So zeigten sich schon beim freien Training die ersten Probleme. Schon nach drei Runden war Schluss, weil der wunderschöne Lola T252 von Robin Kluth sein Öl abrupt auf die Strecke entliess. Resultat war eine veritable Ölspur, die beseitigt werden musste.

Das Qualifying zeigte weitere Probleme auf. Robin Kluth schaffte es gerade einmal in den Vorstart, auch andere Fahrzeuge offenbarten Schwierigkeiten. Im Scarab MK2 von Stephanie Hohls streikte das Getriebe, Rüdiger Müllers March 783 verlor Kühlwasser und Heiko Engelke kämpfte mit einem nicht ordnungsgemäß arbeitenden Anlasser. Frank Böhning war in der Sachskurve in schneller Fahrt „das Talent ausgegangen“, er landete mit seinem Mega ZA1 im Kiesbett.

Am Ende reichte es aber für alle für eine schnelle Runde. Oswin Büchl setzte mit 1:54.192 seinen Lola T328 auf die Poleposition. Dahinter folgte Markus Theuer (Lola T620, 1:57.953) vor Dennis Müller (Ralt RT5, 1:58.619). Schnellster Klasse 7-Fahrer war Dirk Kornmeyer (RMS Formel V, 2:01.669), Rafael Branke war mit 2:07.692 schnellster Zweivergaser, Moritz Fischer stellte seinen Lola T324 als schnellster Klasse 4-Bolide auf Platz 12 (2:07.953). Bei den Einvergasern sicherte sich Triantafillos Tsolakidis mit seinem wunderschönen Olympic die Spitzenposition, 2:20.812 standen bei seiner schnellsten Runde auf der Uhr, das Resultat: Startplatz 28.

Am Samstag mittag sollte dann der erste Lauf starten. So viele Zuschauer um die Startaufstellung haben die Fahrer wohl auch noch nicht erlebt. Es herrschte Volksfeststimmung. Der Start zur Gleichmäßigkeitsprüfung gelang trotz eines beeindruckenden Starterfelds sehr gut. Alles sortierte sich langsam aber sicher, erste Zweikämpfe wurden ausgetragen, wie immer fair und mit Respekt vor dem historischen Kulturgut. Einer hatte es besonders eilig. Robin Kluth musste wegen des verpassten Qualifyings von ganz hinten starten. Leider war die Ursache des Öllecks wohl doch nicht gefunden worden, denn schon in Runde vier deutete sich am Ausgang der Spitzkehre an, dass der Lola T252 wieder Öl verliert. Und Robin, eigentlich ein alter Hase in der Historischen Formel Vau, übersah die Rauchsignale und fuhr unbeeindruckt weiter. So sprühte er Eingangs Motodrom schon bedenklich Öl auf die Strecke, fuhr weiter und weiter, am Eingang zur Zielgerade verlor er das Auto und drehte sich. Er versuchte dann noch einmal zu starten und schleppte sich schließlich zum Notausgang an der Boxengasse. Sein unbedachtes Verhalten verursachte einen Rennabbruch. Und da die ewig lange Ölspur erst aufwändig beseitigt werden musste, konnte der Lauf auch nicht wieder gestartet werden. Wegen der wenigen gefahrenen Runde konnte so der Gleichmäßigkeitslauf nicht gewertet werden.

Am Sonntag war die Formel Vau ganz für den Schluss der Veranstaltung eingeplant worden. So konnten die Aktiven ganz in Ruhe ausschlafen, die anderen Serien im Fahrerlager besuchen und auf der Tribüne u.a. die Formel 1-Fahrzeuge der Boss GP oder die wundervollen DRM-Rennwagen vom Schlage eines Zakspeed-Capri oder Porsche 935 fahren sehen.

Am späten Nachmittag war es dann soweit. Ein etwas dezimiertes Starterfeld – einige mussten wegen der Kombination aus weiter Anreise und beruflicher Verpflichtungen bereits vorzeitig abreisen –  ging es, angeführt von Polesetter Oswin Büchl, in die Einführungsrunde. Der fliegende Start erfolgt wieder routiniert, jedoch in Kurve zwei kamen sich Rüdiger Müller (March) und Markus Theuer (Lola) deutlich zu nahe. Eine kurze Kollision schob beide weit nach hinten. Und beide entschieden nach ein paar weiteren Runden, dass die Weiterfahrt im leicht angeschlagenen Auto nicht ratsam wäre. Für die anderen war es ein wunderschöner Abschluss der Veranstaltung, das Parc Ferme vor dem Racetower und die Siegerehrung auf dem großen Podium sind immer etwas ganz Besonderes.

Zu den Ergebnissen:

Gruppe A

  1. Eckardt Guhl (Burkhardt, 2.593 Strafpunkte)
  2. Alfons Heiss (Bobsy, 2.838 Strafpunkte)
  3. Tom Ernst (RPB, 3.588 Strafpunkte)

Gruppe B

  1. Rafael Branke (Kaimann, 1.597 Strafpunkte)
  2. Nick Wittkuhn (Kaimann, 1.818 Strafpunkte)
  3. Andreas Franz (Lola, 6.656 Strafpunkte)

Gruppe C

  1. Oswin Büchl (Lola, 2.188 Strafpunkte)
  2. Thomas Cramer (Lola, 4.330 Strafpunkte)
  3. Kay Volk (DRM, 4.668 Strafpunkte)

Die Gesamtwertung sicherte sich damit Rafael Branke im wunderschönen Kaimann FV 1300, vor Nick Wittkuhn (ebenfalls Kaimann) und Oswin Büchl (Lola)

Schon Anfang Juni geht es für die Aktiven weiter, dann startet die DMV Formel Vau beim Hansa Pokal Rennen in Assen.

Text: Thomas Cramer

Fotos: Leo Eder