Posted On 25/10/2025 By In Highlights, News/ Berichte With 993 Views

Finale am Nürburgring: Robert Waschak ist Gesamtsieger der DMV Formel Vau 2025!

Der Nürburgring öffnete Mitte Oktober seine Tore für das große Saisonfinale der DMV Formel Vau. Eingebettet in das ADAC Racing Weekend, lieferte das Event nicht nur ein tolles sportliche Ergebnis, sondern auch eine bewegende Geschichte.

Robert Waschak ist so etwas wie ein Lexikon auf vier Rädern der Historischen Formel Vau Europa. Seit Kindesbeinen an, hat Robert diesen einen, herrlich altmodischen Traum: Historisches Kulturgut – seinen Formel Vau Rennwagen – auf den Rennstrecken Europas artgerecht und mit Stil zu bewegen. Es ist eine Liebe, die riecht nach Benzin, Motoröl, Gummi – und einer Prise Wehmut nach einer Zeit, als Rennsport noch… nun ja, einfacher war.

Sein Engagement für dieses Stück Rennsport-Historie ist legendär. Während andere Piloten ihre Boliden in die Box schieben und auf den Mechaniker warten, krempelt Robert selbst die Ärmel hoch. Er ist ja nicht umsonst Technik-Vorstand der Historischen Formel Vau Europa – der Mann kennt jedes Schräubchen und jede Macke seines Boliden. Fragen Sie ihn nach dem optimalen Setup bei leichtem Nieselregen am Salzburgring, und er rezitiert Ihnen die Antwort, als wäre es ein lyrisches Gedicht. Und das Ganze in schönstem österreichischen Dialekt …

Neben dem ganzen Wissen hat der fesche, junge Mann aus dem schönen St. Gilgen (er wurde heuer 68 Jahre alt) auch noch fahrerisch einiges drauf. Wie hat es Ayrton Senna einmal treffend gesagt: “Ich bin nicht dafür bestimmt, Zweiter oder Dritter zu werden. Ich bin dafür bestimmt, zu gewinnen.“ Robert Waschak ist kein Sonntagsfahrer, der nur mal die alte Dame spazieren fährt. Nein. Er gewinnt! Viermal schon – 2010, 2018, 2022 und auch in diesem Jahr – hat er sich den Gesamtsieg der DMV Formel Vau geholt.

Zum Beweis hier die Top-5 der Gesamtwertung:

1. Robert Waschak (A, Austro Vau)
2. Mark Spanbroek (NL, Kaimann)
3. Kai Volk (D, DRM)
4. Calvin Stauff (D, Autodynamics)
5. Marko Wittkuhn (D, Royale)

Aber zurück zum Finale am Nürburgring. Hier kam es zum großen Höhepunkt der Meisterschaft, mit dem bereits zuvor genannten Ergebnis. Und auch mit einer ganz anderen wundervollen Geschichte. 

Auch Klaus Dober gehört zum festen Inventar der Formel Vau. Er war schon dabei, als es in der Formel Vau in der 70er-Jahren noch darum ging, den Aufstieg in höhere Rennklassen zu schaffen. Und auch mit 75 ist Klaus noch immer mit dem Rennsport-Virus infiziert. Da können ihn auch „kleinere Wehwechen“ nicht erschüttern. Im Gespräch erklärt er mir, warum er den Start der Saison verpasst und erst zum Saisonfinale wieder dabei sein konnte: „Ich hatte fünf Rücken-OPs, bei einer hatte ich einen Herzstillstand und musste wiederbelebt werden. Das war eine schwierige Zeit, aber ich hatte immer ein Ziel im Blick: Ich will wieder zurück ins Rennauto.“ Ein lebendiger Beweis, dass die Liebe zum Rennsport Berge versetzen kann.

Zum Geschehen auf der Strecke. Am Samstagmorgen ging es für die Aktiven zum ersten Mal auf die legendäre GP-Strecke am Nürburgring. Die Temperaturen lagen noch im einstelligen Bereich, so dass alle Vorsicht walten ließen. Nicht mal eine Runde konnte Alexandre Laurent aus Belgien (Agnessens) absolvieren. Der Motor seines Zweivergasers – der kurz vorher noch in aller Eile instand gesetzt worden war – stellte erneut seinen Dienst ein. Am besten kam Rüdiger Müller (March) mit den kühlen Temperaturen zurecht. 2:21.553 war die Bestzeit des Vormittags. Schnellster Zweivergaser war Nils Spanbroek mit 2:30.319, gefolgt vom Klasse-4-Piloten Robin Kluth (Lola) mit 2:31.084, vor Lukas Glöckler (2:31.243) im Klasse-7-DRM. Lukas hatte eine abenteuerliche Anreise hinter sich, denn das Zugfahrzeug macht schon kurz nach Reisebeginn schlapp. Glücklicherweise fand man Ersatz und konnte die Reise verspätet antreten. Gegen 22:30 Uhr war man dann endlich im Fahrerlager angekommen… Den schnellsten Einvergaser bewegte Kenneth Schlienz (2:48.183, Fuchs).

Zum Glück verbesserte sich die Wetterlage kontinuierlich. Neben zweistelligen Temperaturen zeigte sich sogar ein paar Mal die Sonne durch den dicht bewölkten Himmel. Damit gestaltete sich das samstägliche Qualifying dann bei Weitem angenehmer.

Oswin Büchl im wassergekühlten Super Vau Marke Lola zeigte, was möglich ist. 2:13.215 trotz grippegeschwächtem Fahrer, sind bei diesen Verhältnissen schon eine Hausnummer. Noch bemerkenswerter waren allerdings die 2:16.104 im Lola-Super-Vau aus dem Jahre 1972 – mit dem luftgekühlten Typ-4-Motor – von Robin Kluth. Das von Vater Manfred perfekt vorbereitete Auto funktionierte bemerkenswert gut. Joe Welzel zeigte im Klasse-7-DRM (2:22.869), dass mit ihm zu rechnen ist. Schnellster Zweivergaser war wieder Nils Spanbroek (Kaimann, 2:26.259). Beeindruckend auch der 9. Startplatz von Moritz Fischer (2:27.035), der im großväterlichen Lola T324 seinen ersten Serienlauf bestritt. Der Junge ist 16 Jahre alt… Kenneth Schlienz (Fuchs) schaffte wieder die schnellste Runde in der Riege der Einvergaser (2:43.915).

Den drittplatzierten Rüdiger Müller beschäftigte ein durchaus besorgniserregender Wasserverlust am March. Kurzerhand wurde vor dem Abendessen der Zylinderkopf entfernt, eine neue Dichtung eingebaut und das Auto damit startklar für die Wertungsläufe am Sonntag gemacht.

Der Rest der Truppe genoss mal wieder die tolle Betreuung des Catering Teams um Monique und Rolf Plate. Es ist immer wieder begeisternd, was die beiden mit dem bescheidenen Equipment der Club-Küche auf die Beine stellen.

Am frühen Sonntagmorgen versuchten dann die Teams bei fast schon frostigen Temperaturen die Formel-Vau-Boliden behutsam aus dem Schlaf zu wecken. Was fast allen gelang, bis auf einen… Axel Cordt musste feststellen, dass sein Caldwell so gar keine Lust auf frühes Aufstehen hatte. Der hohe Druck des eiskalten Motoröls beförderte den Ölfilter in Sekundenbruchteilen aus seiner Halterung. Ergebnis: Eine Riesen-Öl-Sauerei, die der arme Axel dann anschließend mit Ölbindemittel beheben musste…

Zum 1. Lauf: Nach den Erfahrungen des Vortags waren die Piloten temperaturbedingt vorsichtig. Früh aufgeben musste Nick Wittkuhn (Kaimann), Diagnose: Motorschaden. Frühzeitig abstellen mussten auch der Polesetter Oswin Büchl, Nils Spanbroek, Andreas Mundt, Michael Adenacker und Klaus Lantenhammer.

Der Rest des Feldes zog routiniert seine Runden. Die schönste Geschichte des ersten Laufs: Klaus Dober erringt im ersten Lauf nach seiner gesundheitlich bedingten Pause gleich mal den Klassensieg in Gruppe C und den Gesamtsieg im ersten Lauf: So schön kann Rennsport sein…
Die weiteren Ergebnisse im Überblick:

Gruppe A
1. Kenneth Schlienz (Fuchs)
2. Robert Waschak (Austro Vau)
3. Uwe Ahlers (Fuchs)

Gruppe B
1. Benjamin Havermans (Lola)
2. Mark Spanbroek (Kaimann)
3. Moritz Fischer (Lola)

Gruppe C
1. Klaus Dober (Mega)
2. Lukas Glöckler (DRM)
3. Joe Welzel (DRM)

Gesamtwertung 1. Lauf
1. Klaus Dober (Mega)
2. Lukas Glöckler (DRM)
3. Kenneth Schlienz (Fuchs)

Die Geschichte des 2. Laufs ist gleichzeitig ein Abbild der gesamten Saison. Erfahrung zahlt sich aus, gerade in der Gleichmäßigkeitswertung. Denn wer sein historisches Kulturgut routiniert im Grenzbereich bewegt, hat die allerbesten Chancen. Und so sicherte sich Robert Waschak neben dem Sieg in seiner Klasse und der Gesamtwertung verdient auch den Klassensieg und vor allem den Gesamtsieg in der DMV Formel Vau 2025.

Der Start in den zweiten Wertungsverlauf verlief einigermaßen kurios. Ruben van Hoorn plagten schon das ganze Wochenende Getriebeprobleme, nach der ersten Runde ließen sich gar keine Gänge mehr einlegen, so strandete er neben der Strecke. Für Axel Cordt kam es noch schlimmer. Denn in Runde 3 stand er ziemlich „rad-los“ eingangs der Start- und Zielgerade. Grund: Das linke Hinterrad seines Caldwell hatte sich gelöst. Und auf drei Rädern lässt sich ein Formel Vau recht schwierig steuern… Die Rennleitung verordnete zunächst eine Full-Course-Yellow-Phase und schließlich wurden rote Flaggen geschwenkt: Rennabbruch. Nach ein paar Minuten ging es weiter, nach einer Einführungsrunde hinter dem Leadingcar ging die Wertungsprüfung weiter. Die Zuschauer wurden noch einmal mit schönen Überholmanövern belohnt, das Feld fuhr die Wertungsprüfung routiniert zu Ende. Bis auf einen… Klaus Lantenhammer ereilte in der vorletzten Runde ein dramatisches Schicksal. Denn der vor dem Rennwochenende mit einem komplett überholten Motor seines Autodynamics gab kurz vor Schluss dann seinen Geist auf. Die Diagnose war im Fahrerlager dann leider schnell gestellt. Der Tank war ratzeputz leer…

Die Ergebnisse im Überblick:

Gruppe A
1. Robert Waschak (Austro Vau)
2. Triantafillos Tsolakidis (Olympic)
3. Alfons Heiss (Bobsy Vanguard)

Gruppe B
1. Marco Wittkuhn (Royale)
2. Moritz Fischer (Lola)
3. Mark Spanbroek (Kaimann)

Gruppe C
1. Dennis Müller (Ralt)
2. Klaus Dober (Mega)
3. Kai Volk (DRM)

Gesamtwertung 2. Lauf
1. Robert Waschak (Austro Vau)
2. Marco Wittkuhn (Royale)
3. Moritz Fischer (Lola)

Text: Thomas Cramer
Fotos: Leo Eder