„Formel Vau is coming home to Hockenheim“, unter diesem Motto ging es im August für die Aktiven der Historischen Formel Vau e.V. ins Badische. Viele Jahre war die Strecke alljährlich die Heimat der „Stunde der Formel Vau“, dem europäischen Formel Vau Festival. In den letzten Jahren zog die „Sonderlocke“ der Historischen Formel Vau dann ins belgische Spa Francorchamps. Doch in diesem Jahr liess sich dank des Angebots der „P9 Challenge“ wieder einmal ein Gastspiel am Hockenheimring realisieren.
Und fast schon traditionsgemäß war das Wetter ähnlich zuverlässig wie die deutsche Bahn. Schönster Sonnenschein wechselte sich mitunter mit sintfluartigem Regen ab. Zum Glück blieben alle Trainings und auch der Stunden-Lauf trocken, beste Bedingungen also für schönstes Racing und eine Sommersause danach.
Der Ehrenvorsitzende Dr. Frank Orthey, der für diese Veranstaltung dankenswerter Weise die Position des Fahrtleiters übernahm, begrüßte 40 Fahrer, darunter auch einige mehr oder minder jugendliche „Fahranfänger“
am Freitag vormittag zur Fahrerbesprechung.
Die Stunde der Formel Vau hat sich als „Einstieg“ in die Formel Vau-Szene bewährt. Einige der aktiv in der Serie „DMV Formel Vau“ antredenden Fahrer haben genau über diese „niederschwellige“ Veranstaltung – man benötigt für diesen Clubsport-Event keine vollwertige Fahrerlizenz und auch das Fahrzeug muss nicht über einen HTP verfügen – den Weg in die Serie gefunden.
So durften bei der Familie Büchel die „Junioren“ Felix und Maxi ans Steuer des von Vater Oswin perfekt vorbereiteten Lola T328.
Für den Verfasser dieser Zeilen war der Event nicht weniger spannend, denn Tochter Charlotte sollte zum ersten Mal bei einer offiziellen Veranstaltung den eigens für diesen Zweck angeschafften Fuchs Formel Vau Einvergaser bewegen. Schwer zu sagen, wer nervöser war, die jugendliche Erststarterin oder der väterliche „Teamchef“ …
Aber auch einige dem Jugendalter bereits entwachsenen Neustarter drehten zum ersten mal in einem Event der Historischen Formel Vau ihre Runden. Aus Frankreich hatte sich Maxime Callejon angemeldet, aus dem hohen Norden Thomas Peggau, der seinen neu aufgebauten ZAGK Zweivergaser im Renneinsatz testen wollte.
Mit dabei auch ein ganz erfahrener Hase: Gottfried Kult aus Österreich, er war schon in den goldenen Zeiten der Formel Vau aktiv und gewährte seinem Kaimann mal wieder Auslauf.
Schon das Freitags-Training sorgte leider für einige Ausfälle. Unter anderem Thomas Peggau musste früh feststellen, dass sein eiligst zusammengebauter ZAGK doch noch nicht streckentauglich war, auch Erststarter Maxime Callejon hatte Motorprobleme, auch für Thomas Stieper, der mit seinem wunderschönen Maco Zweivergaser antrat, war früh Schluss.
Am Samstag morgen folgte das Qualifiying bei dem die Startreihenfolge für den Stunden-Lauf festgelegt wird. Da ja im Wertungslauf auf Gleichmäßigkeit gefahren wird, könnte man meinen, ein bedeutungsloses Unterfangen. Aber die Startreihenfolge – schnell zu nicht ganz so schnell – sorgt für einen reibungslosen Startablauf und zumindest in der ersten Phase vor den Überrundungen für eine optimale Ausgangsposition für gleichmäßige Runden. Der Familientradition folgend setzte das Brüderpaar Büchl den schnellen Lola T328 mit 1:48.923 auf die Poleposition. gefolgt von Dennis Müller (RALT) mit 1:53.655 und Heiko Engelke (Lola, 1:56.576). Robin Kluth stellte mit 2:01.059 seinen Lola als schnellster luftgekühlter Super Vau auf Platz 4. Frank Böhning (Mega) zeigte im modernen Vau mit 2:02.295, dass sich sein neuer Motor richtig gut anfühlt. Der schnellste Zweivergaser (Kaimann, 2:05.595) wurde vom Team Spanbroek/Rijlaarsdam pilotiert. Robert Waschak (Austro Vau) zeigte mit 2:20.808 mal wieder, dass sich Erfahrung durchaus auszahlt. Einziger Wermutstropfen: Einige Fahrer mussten wegen Gelbverstößen beim Fahrtleiter vorsprechen. Kein Kavaliersdelikt, denn die Sicherheit der havarierten Fahrzeuge und vor allen Dingen die der Streckenposten hat absolute Priorität. Und für den Schreiber dieser Zeilen: Sich andeutender Lagerschaden am Fuchs Formel Vau, somit kein Start bei der Stunde der Formel Vau möglich. Aber die Premiere von Tochter Charlotte bei „der Stunde“ wurde trotzdem gesichert. Calvin Stauff war sofort zur Stelle und bot seinen Autodynamics an. So teilten sich Calvin und Charlotte den Stundenlauf …
Nun zur eigentlichen Hauptattraktion des Wochenendes. Die „Stunde der Formel Vau“ ist ein anspruchsvolles Gleichmäßigkeitsformat, bei der die historischen Fahrzeuge einer ganz besonderen Prüfung unterzogen werden. Eine Stunde (plus eine Minute) müssen die Formel Vaus durchhalten, ein Pflichtboxenstopp, der mindestens zehn und inklusive In- und Outlap 15 Minuten dauern muss, unterbricht die Gleichmäßigkeitsprüfung. Hier kann nachgetankt werden, dazu sind Fahrerwechsel möglich. Gewertet werden acht Runden, die der schnellsten gefahrenen Runde am nächsten kommen.
Der Start erfolgte problemlos, die schnellen Super Vaus zogen schnell davon. Die Zuschauer erfreuten sich an kleinen „Kampfgruppen“, die mit dem dem Alter der Fahrzeuge würdigenden Respekt entsprechend, um die Positionen kämpften. Zur Mitte des Laufs wurde es dann die Boxengasse lebendig. Die Mechaniker-Crews – oft sind es Familienmitglieder – hatten alles für den Stop vorbereitet. Routiniert wurde die Standzeit gestoppt, nachgetankt, die Fahrer gewechselt und zu guter Letzt die Fahrer wieder zeitgerecht auf die Strecke geschickt.
Am besten klappte die Prüfung bei Nick Wittkuhn (Kaimann), der mit 556 Strafpunkten die Gesamtwertung gewann. Dahinter Robert Waschak (Austro Vau, 799 Strafpunkte) und Walter Müller (Ralt, 837 Strafpunkte).
Hier die Gruppenwertungen im Überblick:
Gruppe A
1. Robert Waschak (Austro Vau)
2. Johanna Andenacker (RPB)
3. Wolfgang Rafflenbeul (Austro Vau)
Gruppe B
1. Nick Wittkuhn (Kaimann)
2. Team Guhl-Renn (Kaimann)
3. Marco Wittkuhn (Royale)
Gruppe C
1. Walter Müller (Ralt)
2. Frank Böhning (Mega)
3. Joe Welzel (DRM)
Nach getaner Arbeit begann dann der gemütliche Teil. Monique und Rolf Plate hatten sich mal wieder mächtig ins Zeug gelegt. Neben dem obligatorischen köstlichen Abendessen (Rückensteaks in Pfeffersoße mit Schmorgemüse …) gab es das ganze Wochenende aus der neu angeschafften Fritteuse leckere Pommes Frites, Bratwürstchen vom Grill und Hähnchen aus dem Backofen. Dazu ein leckeres Bier, was kann man sich mehr wünschen … So klang die Stunde der Formel Vau gemütlich aus am Sonntag morgen war das Fahrerlager schon wieder abgebaut und die Teams auf dem Weg nach Hause.
Ein besonderer Dank gilt Frank Orthey, der sein Amt als Fahrtleiter mit Bravour erfüllte. Und auch das Team Mayer/Latenhammer ist zu erwähnen: Als gleich zu Beginn klar wurde, dass der Platz im Catering-Zeltlager eng werden würde, holte man ein eigenes Zelt herbei und baute es wie selbstverständlich auf. Weitere schöne Geschichte: Martin Mayer hatte dem Catering-Team seinen geschlossenen Anhänger zur Verfügung gestellt. Da der Anhänger dringend gebraucht wird, hat er den Anhänger nun als Sachspende dem Verein übergeben. Der Formel Vau-Geist lebt in den Herzen der Mitglieder …
Fotos: Martina Eder, Astrid Orthey
Text: Thomas Cramer



















