Nach 50 Jahren zurück am Norisring

50 Jahre nach dem ersten Rennen kehrt die Formel Vau an den Norisring zurück!

Vor 50 Jahren startete die Erfolgsgeschichte der Formel Vau am Norisring – jetzt kehrte sie im Rahmen des DTM-Wochenendes auf Einladung des Motorsportclubs Nürnberg zurück.
Nahe des Haupteingangs platziert waren die rund 50 Formel Vau und Super Vau-Fahrzeuge ein beliebter Treffpunkt der Rennbesucher in Nürnberg. Zwischen den Autos schlendern, sich anhand der Fahrzeugdatentafeln informieren, Gespräche führen und die familiäre Atmosphäre miterleben – das lockte viele an auf dem Weg in eine ganz andere moderne Rennsportwelt.
Auch Foto- und Autogrammjäger fanden reichlich Möglichkeiten vor, denn die Formel Vau feierte auch am Norisring mit ihren Legenden von damals, die am Samstagnachmittag von Reporterlegende Rainer Braun moderiert, ihre unglaublichen Geschichten der wildesten Rennserie aller Zeiten erzählten. Braun war selbst Teilnehmer des ersten Rennens in Nürnberg – damals von Huschke von Hanstein in Schlipps und Kragen ins Cockpit gelockt. Seither ist er der Formel Vau verbunden. Eine Geschichte ergab die andere beim Legendentalk: Beginnend mit Lothar Dongus, Pole-Setter beim ersten Rennen 1965, der seinen Originalhelm mitgebracht hatte bis hin zum letzten Europameister der Formel Super Vau 1982, dem Österreicher Walter Lechner. Da wurde erzählt, wie „der Quester“ von einem österreichischen Polizisten mit vorgehaltener Pistole am Weiterfahren gehindert wurde – Quester-O-Ton: „Stimmt, aber er hat die Pistole erst gezogen, nachdem ich ihm ans Bein gefahren bin“, wie man sich zu fünft ein Zimmer und ein Bett teilte damals, wie Schurti und Breinsberg am Salzburgring über die Ziellinie flogen, wie sie auf der Nordschleife des Nürburgrings aus dem Baumgipfeln, in die sie geflogen waren geborgen wurden, wie das verunfallte Jantke-Auto beim ersten und einzigen Autorennenn in Israel von den Fans gefleddert wurde und und und. Die wilden und aus heutiger Sicht völlig verrückten Geschichten zogen das zahlreich erschienene Publikum in den Bann. Manfred Jantke, Pilot der ersten Stunde, Journalist und Ex-Porsche-Rennleiter frotzelte: „Das beste war, dass es das Preisgeld gleich in bar gab!“
Im rund 50 Fahrzeuge starken Feld aktiv mit am Start waren einige der Protagonisten der ersten Jahre. Allen voran Kurt „Master“ Bergmann, Lauda und Rosberg-Entdecker und Teamchef von Kaiman-Racing aus Wien. Am Norisring gab der 86-jährige einem seiner damaligen Piloten ein Cockpit: Dieter Quester griff ins Volant. Verstärkt wurde das Kaimann Team von Manfred Jantke, der den Ex-Jochen Mass-Kaimann des Teams um Eberhard Winkler pilotierte. Winkler, aus Monaco angereist, wachte höchstpersönlich über den ersten Einsatz des original restaurierten Fahrzeugs.
Zu den ganz schnellen Österreichern gehörte ab Mitte der 1960-er Jahre auch Günther Huber, der die österreichischen Farben gemeinsam mit Jochen Rindt erfolgreich bei den inoffiziellen Formel-Vau-Weltmeisterschaften auf den Bahamas vertrat. 1967 wurde er Europameister – und gewann damit auch einen VW-Käfer. Gemeinsam mit seinen Söhnen brachte er zwei Fahrzeuge an den Start: seinen frühen Beach – sowie einen der letzten Kaimann-Super Vaus mit wassergekühltem Motor. Der Liechtensteiner Manfred Schurti gewann 1972 das Rennen der Formel Super Vau am Norisring im Royale RP 9 – und kehrte in seinem originalen Austro Vau, dem „Hilti-Werkswagen“ zurück, den er Ende der 1960-er-Jahre pilotierte. Walter Löffelsender, Deutscher Formel-Vau-Meister 1973, war mit einem MoTuL-Super Vau am Start, den sein Vater einst konstruierte (MoTuL steht für Motoren Tuning Löffelsender). Mit dem Augsburger Architekten Fred Hoenle war ein weiterer Starter der wilden 1970-er-Jahre dabei. 1972 als 8. im Ziel, ist er seither nahezu ununterbrochen bis heute in der Formel Super Vau unterwegs. Tibor Meray, Star der späten Formel Super Vau pilotierte seinen originalen Veemax. Gemeinsam mit Fred Hoenle und Dieter Quester führte er das Super Vau-Feld an. Allerdings nur am Sonntag, denn Samstags stoppte ein Unwetter die Demonstration der beiden Startgruppen: rote Flagge und Abbruch. Sonntag allerdings hatten die Legenden und heute Aktive innerlich wie äußerlich sonnige Bedingungen. Und Rainer Braun hatte gemeinsam mit seinem Co-Kommentator Prinz Leopold von Bayern viel zu kommentieren. Poldi bekam Gänsehaut-Feeling als er seinen in der Nennliste der Kommentatoren nicht benannten Kaimann von Uwes-Mode-Racing, den er damals gemeinsam mit Keke-Rosberg fuhr, plötzlich im Feld entdeckte. Im ATS-Lola, den sein Großvater Freddy Kottulinsky mit konstruiert und unschlagbar gemacht hatte, war Fredrik Ahlin-Kottulinsky unterwegs, der üblicherweise in der WRC 2 Rallye fährt, beim Legendtalk begleitet von Mutter Susanne Kottulinsky, einst auch hierzulande eine sehr erfolgreichen Rallyefahrerin und von Schwester Mikaela, die am Sonntag im Audi TT-Cup als dritte auf dem Podium landete.
Die Zuschauer am Norisring sahen und genossen „die ganze Geschichte der Formel Vau“ beginnend bei den frühen Formel-Vau-1300-Fahrzeugen (1964 – 1976) über die Formel Super Vau-Fahrzeuge, die ab 1972 und bis 1982 als Weiterentwicklung der Formel Vau antraten bis hin zu den modernen Formel Vau-Fahrzeugen, wie sie bis 2010 hierzulande gebaut wurden. Heute sind sie alle gemeinsam historisch unterwegs. Und bewahren die Technik und den Geist der ehedem weltweit größten Nachwuchsrennserie. Und wohl auch der wildesten. Das wurde am Norisring gebührend gefeiert.

Frank Orthey

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Die Historische Formel Vau ist eine Serie im Rahmen der

Fahrergemeinschaft Historischer Rennsport (FHR)


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