Abschluss der FV-Gp-D 2014 in Zandvoort

Leise spielen im Sand – und im Regen!

Zum Abschluss der FV-Gp-D lockte auch in diesem Sommer wieder der Dünenkurs in Zandvoort. Mit 37 Startern war das Feld voll gefüllt (38 Starter sind erlaubt). Die Wetteraussichten waren ebenfalls gut gefüllt – mit, vorsichtig formuliert, eher „bescheidenen“ Aussichten: Regen und viel Wind waren angesagt. Aber es sollte weniger bescheiden und noch „besser“ kommen. Donnerstag und Freitag gab es Sonne, Samstag trockene Läufe und Sonntag dann zur Komplettierung des Wetter-Potpourris einen wirklich richtig nassen 2. Wertungslauf. Alles, was die Vau-Männer und –Frauen brauchen, um richtig Spaß auf der Strecke zu haben war also angesagt. Beste Versorgung insofern. Die geplante holländische Catering–Versorgung im bewährten Armeezelt musste allerdings kurzfristig abgesagt werden, weil Rob van Hoorn ausgerechnet beim Heimlauf heftig von einer schlimmen Grippe geschüttelt wurde. Deshalb gab es „Clubsport pur“ in den Dünen – mit meist guter Stimmung und vielen schönen Begegnungen, besonders auch mit unseren südafrikanischen Freunden. Die Starter kamen aus 6 Ländern. Wegen lizenztechnischer Einschränkungen fehlte leider die Austria-Connection. Dafür waren 3 südafrikanische Formula-Vee-Freunde nach Holland angereist: Greg Wilson, Chairman der Formula Vee of South Africa, Henk Swanepoel und Geoff Tugwell hatten die lange Reise nicht gescheut, um erstmalig auf dem anspruchsvollen Kurs in Zandvoort zu starten. Nach bisher insgesamt unterschiedlichen 74 Startern alleine bei den Läufen der deutschen Serie gab es wieder einen Erststarter – und ein Comeback: Klaus Dober, in den 70-er-Jahren unter anderem im von ihm erbauten Maco-Zweivergaser – heute in Besitz der Ortheys – aktiv, feierte sein erfolgreiches Comeback in der Klasse 7 mit einem wunderschön restaurierten GAC. Mit dabei in den Niederlanden auch das für den Auslandslauf erforderliche Schiedsgericht mit den internationalen Sportkommissaren Bruno Hürttlen, Jürgen Juschkat und dem Technischen Kommissar der FV-Gp Knut Wartenberg. Die beiden DMSB-Sportkommissare, die erstmalig die Formel Vau sahen und betreuten, waren angetan von der Performance und der freundschaftlichen Stimmung in der FV-Gp.

Nach der Technik- und Papierabnahme am Freitag gab es am Abend die obligatorische Fahrerbesprechung – diesmal auf Deutsch, Englisch und Niederländisch. Samstag um 09.00 Uhr dann das erste freie Training. Leider musste Henk Swanepoel vom Vorstart sofort wieder zurück ins Fahrerlager: Kupplungsdefekt! Das Team um Joe Welzel und Martin Gregl schaffte es aber, den Schaden bis zum 1. Wertungslauf wieder zu richten.

Alle anderen hatten viel Spaß auf der selektiven Strecke in Zandvoort. Gute 1 ½-Stunden später dann bereits das Qualifying. Die Bestzeit setzte Joe Welzel (Klasse 7) vor Wolfgang Götz (Klasse 5) und den starken Südafrikanern Geoff Tugwell und Greg Wilson in ihren KOGOs (beide Klasse 7). Dirk Kornmeyer folgte im March (Klasse 5) vor Uli Sirp (ebenfalls March, Klasse 5) und Tom Ernst in neu erworbenen Lola (Klasse 4). Serien-Senior Manfred Benninger (Mega, Klasse 7), Olaf Strauch im Kaimann (Klasse 3) und Robin Kluth im Hick (Klasse 2) komplettierten die Top-Ten.

Bei Zwischenfällen auf der Strecke haben die Veranstalter des DNRT (Dutch National Racing-Team) um Ria Watereus und Huub Vermeulen, die mit einer reibungslosen Organisation überzeugten, eine ausgezeichnete Möglichkeit parat, um die sichere Bergung von Fahrzeugen zu gewährleisten: Statt Safety-Car oder Abbrüchen zeigen auf Anweisung des Rennleiters alle Streckposten „Code-60-Flaggen“. Das heißt, dass alle Fahrzeuge während dieser Phase mit maximal 60 km/h weiterfahren. Ist die Gefahrensituation behoben, zeigen alle Posten gleichzeitig die grüne Flagge und der Lauf wird unter normalen Bedingungen fortgesetzt. Eine wirklich gute und pragmatische Lösung! Genauso pragmatisch und augenzwinkernd die Aussage des Rennleiters auf eine Frage bei der Fahrerbesprechung, wie das denn ohne Tacho gehen könne: „Orientieren Sie sich einfach an Ihrem Vordermann …“

Wie in Zandvoort üblich, war das Thema Lautstärke ein dominantes: 92 dbA waren die streng kontrollierte Grenze. Bei Überschreiten drohte den „lautstarken“ Startern die schwarze Flagge. Zudem hat die Veranstaltung täglich ein „Gesamtgeräusch-Budget“, das am Freitagmittag bereits deutlich überschritten war. In einer Sitzung mit den Sportkommissaren und den Serienkoordinatoren der betroffenen Serien – unter anderem der Formel Vau - wurden Möglichkeiten erörtert, das Thema in den Griff zu bekommen, sodass alle Läufe wie geplant auch gefahren werden konnten. Das gelang dann auch, sehr zur Entlastung des Autors und Serienkoordinators. Im weiteren Verlauf des Wochenendes blieben die Vau-ler – versehen mit zusätzlichen Schalldämpfern und Schaltpunkt-Instruktionen - innerhalb der Limits. 

Nachmittags ging es dann in den 1. Wertungslauf. Den Zuschauern bot sich ein eindrucksvolles Bild, als 36 Starter auf den Gleichmäßigkeitslauf gingen. Leider nicht mehr dabei der schnelle Niederländer Mark Spanbroek, der noch im freien Training in den Top-Ten rangierte, aber dann wegen Ventildefekts die Segel streichen musste. Wie üblich herrschte ein sportlich rücksichtsvoller Umgang auf der Strecke und die Aktiven drehten ihre Gleichmäßigkeitsrunden und hatten mit den üblichen kleinen Gruppen der „Klassenkameraden“ viel Spaß. Leider kam es trotz der strickten FV-Gp-Fahrtregeln wegen eines Missverständnisses wieder zu einer Berührung: Geoff Tugwell meinte, Ralph Pütz lasse ihn vor der Schikane passieren, dieser hielt jedoch seine Ideallinie und hatte den südafrikanischen Kogo-Piloten, der innen vorbeifahren wollte, auch nicht gesehen. Die Fahrzeuge berühren sich mit den Felgen, der Tatuus stieg leicht auf. Zwar konnten beide weiterfahren, die Szene sorgte jedoch für einige Aufregung. Anschließend waren leichte Vermessungsarbeiten und einige Klärungsgespräche angesagt. Zwei defekte Felgen waren die überschaubaren Schäden an den Fahrzeugen, aber für Geoff war damit der erste Europa-Auftritt beendet. Der Vorfall zeigt, dass es trotz klarer Regeln – sprich: (1) das langsamere Fahrzeug hält die Linie, (2) die Verantwortung für das Vorbeifahren trägt der Überholende, (3) das Vorbeifahren erfolgt im Einvernehmen – immer doch auch Berührungen geben kann. Umso wichtiger bleibt die strikte Einhaltung der Regeln, um ernsthafte Unfälle dauerhaft zu vermeiden. Im Zweifelsfalle gilt: Hintenbleiben bis zur nächsten Gelegenheit. Aber im Eifer des Geschehens auf der Strecke passieren eben auch gelegentlich Ereignisse, die – wie hier – im Nachhinein leider mit einem „shit happens“ quittiert werden müssen.

Weniger Glück im Schadensfalle hatte Thomas Cramer im Javado, den es – alleine fahrend - vermutlich wegen einer Ölspur mit hoher Geschwindigkeit heftig in die Leitplanken zog. Die nicht unerheblichen Schäden am Vorderbau wurden innerhalb weniger Stunden allerdings mittels des typischen Formel Vau Geistes, eines Schweißgerätes, der tätigen Mithilfe von Jan Tjassing, einigen Improvisationsgeschickes und etwas Tape für die ondulierte Front nahezu vollends wieder so behoben, dass Thomas im zweiten Lauf wieder starten konnte. Wenn jemand nicht wissen sollte, was die Historischen Formel Vau auszeichnet oder was unser Slogan „born to be V“ bedeutet … - das ist es!

Sportlicher Gesamtsieger des ersten Laufes wurde Stephan Gremler im RPB (Klasse 2) vor seinen „Klassenkameraden“ Patrick Havermans aus Luxemburg im Celi und Robin Kluth im Hick. In den Klassen siegten Manfred Nord (Klasse 1), Stephan Gremler (Klasse 2), Olaf Strauch (Klasse 3), der Eidgenosse Christoph Hasler (Klasse 4), Uli Sirp (Klasse 5) und unser südafrikanischer Freund Geoff Tugwell (Klasse 7).

Am Sonntagmorgen gab es dann ein vom Veranstalter gewährtes zusätzliches Warm-Up von 15 Minuten. Und dann kam der Regen – und mit ihm (noch) mehr Wind. Hastig wurden Zelte und Equipment zusammengerafft und kurz vor dem Lauf wurde klar, dass auf Besserung nicht zu hoffen war. Im Gegenteil: Die Regenwahrscheinlichkeit betrug zu dieser Stunde 90 (!) Prozent und über der Nordsee tummelten sich auf dem Wetterradar der Rennleitung bedrohlich wirkende Wolkenfronten, die alles erwarten ließen, was der Himmel so „mehr-davon“ hergeben kann. Alle starteten auf Anweisung auf Regenreifen. Ab der 2 Runde gab es für wenige Minuten allerdings dann so viel „Mehr-davon“, dass die Rennleitung gemeinsam mit dem Serienkoordinator in der Racecontrol einen Abbruch erwägen musste. Während der kurzen Beratungen besserten sich die Witterungsbedingungen aber von einer Minute zur anderen und der Lauf konnte dank der großen Umsicht und Vorsicht aller Aktiven gut zu Ende gefahren werden. Obwohl er wegen eines stehenden Fahrzeuges unter „Code-60“ beendet werden musste, reichten die zuvor gefahrenen Runden für eine Wertung. Die Formel 1 wäre unter diesen Bedingungen sicher nicht gefahren. Die FV-Gp-Piloten können es! Damit gab es alle Wetterlagen an einem Wochenende. So gesehen: ein Glücksfall. Besonders die südafrikanischen Starter freuten sich, endlich einmal im richtigen Regen fahren zu können. Gesamtsieger im 2. Lauf wurde Uli Sirp im March (Klasse 5) vor dem „Abräumer“ des Wochenendes Stephan Gremler (RPB, Klasse 2) sowie Olaf Strauch im Kaimann auf P 3 (Klasse 3). Die Klassensiege gingen an Youngster Felix Stieper (Klasse 1), der als erster Nachwuchspilot auch in den Genuss der von der Fa. Eickemeyer ausgelobten Nachwuchsförderung kam (Nenngeldfrei beim 3. Start), Stephan Gremler (Klasse 2), Olaf Strauch (Klasse 3), Martin Bourgondien (Celi, Klasse 4), Uli Sirp (Klasse 5) und Joe Welzel (Klasse 7).

Mit einer Siegerehrung mit den geschmackvollen und wie immer etwas „anderen“ Trophäen des DNRT im trockenen und warmen (!) Media-Center ging wieder ein tolles, sehr spezielles FV-Gp-Wochenende zu Ende – und auch bereits die FV-Gp-Deutschland 2014. Durchschnittlich waren bei den drei Veranstaltungen (Hockenheim, Nürburgring, Zandvoort) 49 Starter dabei. Die Historische Formel Vau wächst und gedeiht immer weiter. Im September dann in der FV-Gp-Austria am Salzburgring und am Red-Bull-Ring!

Zudem starten die 50-Jahre-Jubiläumsfeiern der ehemals größten Nachwuchsserie der Welt. In Europa ist es 2014 - 2016 soweit: 1964 waren die ersten Fahrzeuge da, 1965 fand das erste Rennen statt (Norisring) und 1966 die erste offizielle Meisterschaft. Auch die Formel Vau Europa wurde 1966 in München gegründet.

Eine eigens gegründete Task-Force des Vereins koordiniert die vielfältigen Jubiläums-Aktivitäten:

2014 steht im Zeichen der Suche nach den ersten 12 Formel Vau-Rennwagen in Europa,

2015 kehren die Legenden von damals zurück an die Strecken und

2016 ist ein Treffen von aktiven Vau-Fahrern aus der ganzen Welt geplant.

2014 – 2016 findet zudem der „Formel Vau Europa Goldpokal“ als Jubiläumsserie statt. Dabei wird die ganze Geschichte der Formel Vau von 1963 bis hin zu den aktuellen Fahrzeugen gezeigt (http://formel-vau.eu/goldpokal/ ).

In Südafrika gibt es 2015 „real racing since 1965“ – sicher mit Beteiligung der Historischen Formel Vau Europa.

Weltweit gilt eben: Born to be V!

Frank Orthey

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Die Historische Formel Vau ist eine Serie im Rahmen der

Fahrergemeinschaft Historischer Rennsport (FHR)


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